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Medizin

Banner der FOBI gespiegelt
Unter dem Motto "Fortschritt durch Fortbildung" lockte die 26. FOBI zahlreiche Teilnehmer nach München.
© Storre

Hautnah bei der FOBI 2018

Unter dem Motto „Fortschritt durch Fortbildung“ bot die 26. Fortbildungswoche für praktische Dermatologie und Venerologie (FOBI) Ende Juli 2018 den Teilnehmern ein umfassendes Sprektrum an Themen.

Neue Erkenntnisse in der Immunologie von Hauterkrankungen haben die Entwicklung von Antikörpern ermöglicht, die spezifisch an den Schaltstellen der Pathogenese ansetzen. Davon profitieren vor allem Patienten mit schwereren Hautaffektionen, die mit topischen Therapien nicht mehr adäquat behandelt werden können. Bei der Atopischen Dermatitis (AD) ist starker bis sehr starker Juckreiz das Leitsymptom und Hauptauslöser der großen psychosozialen Belastung von Patienten und deren Angehörigen mit erheblichen Einbußen im Bereich der Lebensqualität. Prof. Sonja Ständer, Universitätsklinikum Münster, Leiterin Kompetenzzentrum Chronischer Pruritus (KCP), fragte in ihrem Vortrag das Auditorium, wie hoch es den Anteil von AD-Patienten mit chronischem Juckreiz und Suizidgedanken schätzen würden. Einhellige Meinung: um die 30%. Demgegenüber fand eine europaweite Studie (n = 49934, davon 162 mit AD) eine hohe Assoziation mit Depressionen (Odds Ratio [OR] 3,27; 95% Konfidenzintervall [KI] 1,61-6,62). Insgesamt 68% der AD-Patienten äußerten Suizidgedanken.

Atopie und Plaque-Psoriasis

Mit Dupilumab ist seit rund einem Jahr ein monoklonaler Antikörper zugelassen zur Behandlung von Erwachsenen mit mittelschwerer bis schwerer Neurodermitis (AD), für die eine systemische Therapie infrage kommt. Der Antikörper blockiert einen Abschnitt des Interleukin-4-Rezeptors auf der Oberfläche von Immunzellen und dämpft so die Immunreaktion. Neben einer signifikanten Verbesserung des Hautbildes werden auch wichtige patientenrelevante Endpunkte erreicht: Eine signifikante Reduktion von Juckreiz und Schlafstörungen sowie eine signifikante Verbesserung der gesundheitsbezogenen Lebensqualität. Auch das IQWiG sieht einen Zusatznutzen der Therapie.

Bei der Plaque-Psoriasis gibt es eine ganze Reihe von zielgerichteten Therapien wie die Interleukin-17-Inhibitoren Secukinumab, Ixekizumab und Brodalumab, welche die Pathogenese an einem zentralen Signalweg hemmen und auch bei Patienten mit schwerem Verlauf zu einem hohen Anteil eine PASI 90-Response erzielen. Im Gegensatz zu den TNF-alpha-Inhibitoren erreichen bis zu drei Viertel der Patienten auch eine vollständige Abheilung einer Enthesititis und Daktylitis nach 104 Wochen. Der PD4-Inhibitor Apremilast erzielt bei Patienten mit mittelschwerer PsO eine signifikante Verbesserung bei vielen Zieleparametern wie Hautbild, Juckreiz und Lebensqualität – „ein sehr gutes Ergebnis“, so Prof. Kristian Reich, Göttingen.

Immer mehr Männer auch in der ästhetischen Dermatologie

Dr. Markus Klöppel, München, wies darauf hin, dass auch Männer den heutigen Möglichkeiten der ästhetischen Dermatologie immer aufgeschlossener gegenüberstehen. Die Möglichkeiten der der ästhetischen Dermatologie betreffen viele Aspekte des visuellen Alterns. Nicht nur die Haut verliert an Spannkraft. Besonders im zentralen Bereich des Gesichts, ungefähr von der Nasenwurzel bis zur Unterlippe, verliert auch „Mann“ mit der Zeit an Volumen. Die körpereigene Produktion des Bindegewebsbausteins Hyaluronsäure lässt nach. Die Behandlung mit Fillern wie Hyaluronsäure gehört jedoch in die Hand des Arztes, betonte Dr. Welf Prager, Hamburg, um entstellende Infektionen und andere unerwünschte Effekte zu vermeiden.

Auch bei der Therapie von Besenreißern und retikulären Varizen werden ästhetische Aspekte für Männer immer wichtiger, meinte Dr. Stephan Guggenbichler, München. Hier wurde die operative Therapie weitgehend von minimal-invasiven Therapien abgelöst. Die aktuelle Leitlinie der European Society for Laser Dermatology empfiehlt die Sklerotherapie als First-Line-Therapie vor dem Laser, weil nur mit ihr auch tieferliegende Besenreißer und sog. „Nährvenen“ behandelt werden können. Die Lasertherapie sollte bei den kleineren, oberflächlichen  C1-Varizen eingesetzt werden. Eine zweite Zielgruppe sind Patienten mit Nadelphobien oder Intoleranzen.

Dr. Alexander Kretzschmar

Quelle: 26. Jahrestagung Fortbildungswoche für praktische Dermatologie und Venerologie (FOBI), München, 24-26. Juli 2018