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Medizin

Darstellung eines JAK-Moleküls
JAK1-Protein– Teil des JAK-STAT-Signalwegs und potenzielles Target für die Therapie des Handekzems.
© Adobe Stock/ molekuul.be

Handekzem: JAK-Inhibitoren für die topische Therapie?

Die molekularen Zusammenhänge der Entstehung des Handekzems sind noch nicht vollends verstanden. Ein neuer Therapieansatz mit Januskinase(JAK)-Inhibitoren scheint vielversprechend, wie eine aktuelle Studie zeigt. Nachgefragt bei Prof. Dr. Margitta Worm, Berlin.

Frau Professor Worm, welchen Ansatz verfolgen Sie in Ihrer aktuellen Studie mit topischem Delgocitinib?
Worm: Delgocitinib ist ein neuer pan-JAK-Inhibitor spezifisch für JAK1, JAK2, JAK3 und TYK2-Kinase. Es blockiert die Produktion von entzündlich wirksamen Zytokinen und ist somit potenziell zur Behandlung des chronisch entzündlichen Handekzems geeignet.

Welche Ergebnisse wurden erzielt?
In einer aktuellen Phase-IIa-Studie wurde die Wirksamkeit von Delgocitinib im Vergleich zu Placebo bei 91 Patienten mit chronischem Hand­ekzem untersucht. Nach einer 8-wöchigen Behandlungszeit führte die Therapie mit Delgocitinib zu einer signifikanten Verbesserung des Handekzems im Vergleich zu Placebo.  Der Behandlungserfolg stieg über die Zeit kontinuierlich an und erreichte kein Plateau, sodass möglicherweise über einen längeren Anwendungszeitraum noch bessere Ergebnisse erzielt werden könnten. Die Verträglichkeit war sehr gut und es ergaben sich keine negativen Hinweise bezüglich der Sicherheit und Verträglichkeit.

Wie bewerten Sie diese Resultate?
Die Ergebnisse der Studie sind vielversprechend: Zur lokalen Behandlung des chronischen Hand­ekzems werden derzeit primär topische Kortikosteroide zur antientzündlichen Therapie eingesetzt, die in der Langzeitanwendung zu Nebenwirkungen, wie Hautatrophie verbunden mit einer erhöhten Verletzlichkeit der Haut, führen. Die positiven Ergebnisse der Studie mit Delgocitinib sollten zukünftig über einen längeren Therapiezeitraum, zum Beispiel 12 bis 16 Wochen, überprüft werden.

Wie geht es weiter?
Aufgrund der vielversprechenden Ergebnisse wird das Studienprogramm weitergeführt und eine Phase-­III-Studie gestartet. Sollten sich hier die Ergebnisse bestätigen, könnte in den nächs­ten Jahren mit der Zulassung eines neuen anti­entzündlichen Wirkstoffes zur Behandlung des chronischen Handekzems gerechnet werden.

 

Literatur: Worm et al. Topical delgocitinib is an efficacious and well tolerated treatment for patients with chronic hand eczema; AAD 2019; Poster 8467

Interview: Martha-Luise Storre


Das Handekzem ist eine chronisch entzündliche Haut­erkrankung, die häufig in der Allgemein­bevölkerung mit einer 1-Jahres­prävalenz von ca. 10% auftritt. Pathophysiologisch spielen vor allem T-Zellen unterschiedlicher Populationen eine Rolle, hierzu gehören Th2-, Th22-, Th17- 
und Th1-Zellen. Sie produzieren bestimmte Zytokine, die nach Aktvierung des JAK-STAT-Signalwegs in der Zelle entstehen.