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Dermatologie

Akne auf Stirn eines jungen Mannes
© Colourbox

Aknetherapie: Kollateralschaden beim Mikrobiom

Bei Patienten mit einer Acne vulgaris nimmt nach einer 4-wöchigen systemischen Therapie mit Minocyclin nicht nur die Hautbesiedelung mit Cutibacterium acnes signifikant ab: Das ganze Hautmikrobiom verändert sich – Journal Club.

Bei einer Acne vulgaris (> Grad II) wird oft eine systemische Therapie mit Tetrazyklinen eingeleitet. Eine Pilotstudie mit vier Frauen im Alter zwischen 25 und 35 Jahren zeigte, dass sich unter der Therapie mit Minocyclin 100mg/bid auch die Zusammensetzung des Hautmikrobioms hinsichtlich der biologischen Diversität deutlich veränderte. Die Wiederherstellung eines normalen Hautmikrobioms im weiteren Follow-up verlief unterschiedlich1.

Die unerwünschte Besiedelung mit Cutibacterium acnes sank nach vier Wochen signifikant (p = 0,04). Begleitend hierzu kam es in den acht Wochen nach der Minocyclintherapie zu weiteren Veränderungen, insbesondere einem transienten Anstieg um das 5,6-fache von Pseudomonas-Species (p < 0,001) und von Lactobacillus-Species um das 4,7-fache (p = 0,02). Die Keimzahl von Cutibacterium acnes stieg nach Ende der Antibiose wieder auf etwa das Ausgangsniveau an.

Eine systemische Therapie mit Tetrazyklinen wird im klinischen Alltag teilweise deutlich länger durchgeführt als empfohlen. Die beobachteten Effekte auf die bakterielle Diversität des Hautmikrobioms weisen auf mögliche Interaktionen hin, welche die unter der Minocyclintherapie auftretenden Hautreaktionen erklären könnten, schrieb Prof. Tiffany Scharschmidt, San Francisco, in einem begleitenden Editorial. Angesichts der geringen Patientenzahl der Pilotstudie sind noch weitere Studien notwendig. Möglicherweise können diese Befunde der Ausgangspunkt für Strategien zur therapeutischen Normalisierung des Hautmikrobioms sein2.

Literatur:

1. Chien AL et al. JAMA Dermatol. 2019 Feb 13;
2. Scharschmidt TC JAMA Dermatol. 2019 Feb 13

Dr. Alexander Kretzschmar