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Medizin

Eingang Convention Center
Eingang zum Convention Center in San Diego.
© Kammerer

AAD 2018: Psoriasis und Akne im Fokus

Das 76. Jahrestreffen der „American Academy of Dermatology (AAD)“ wurde von fast 10.000 Teilnehmern aus mehr als 100 Ländern besucht. Nachfolgend eine kleine Auswahl des präsentierten Studienreigens.

Patienten mit mittelschwerer bis schwerer Psoriasis haben ein signifikant erhöhtes kardiovaskuläres Risiko (1). Systemische Entzündungsvorgänge, dabei vor allem vaskuläre Entzündungen gelten als das Bindeglied zwischen Psoriasis, Fettleibigkeit und anderen Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Frühere Studien haben gezeigt, dass mit steigendem Score im „Psoriasis Area and Severity Index (PASI)“ auch die Aortenentzündung zunimmt, wodurch das Risiko für atherosklerotische Plaques steigt.  Eine Studie von Professor Joel M. Gelfand von der Perelman School of Medicine der Universität Pennsylvania in Philadelphia (USA) versuchte die Frage zu beantworten, ob die Therapie mit dem IL-12- / IL-23-Blocker Ustekinumab in der Lage ist, Aortenentzündungen zu reduzieren (2). Beim AAD wurden die 12-Wochen-Daten der Studie "Vaskuläre Entzündung bei Psoriasis (VIP-U)" präsentiert. Insgesamt 43 Patienten wurden 12 Wochen lang in einem Verhältnis von 1:1 auf Ustekinumab oder Placebo randomisiert. In Woche 12 wurde eine PET / Computertmomographie durchgeführt, nach der alle Patienten bis zu einem Jahr weiter mit Ustekinumab behandelt wurden.
"Die Wirksamkeit von Ustekinumab war wie erwartet: 77,3% der Patienten gelang es nach 12 Wochen, eine 75%ige Reduktion des PASI zu erreichen (verglichen mit 10,5% mit Placebo; p <0,001), 63,6% wiesen nach Gesamteinschätzung der Ärzte abgeheilte oder fast abgeheilte Hautläsionen auf ", sagte Prof Gelfand.  Positiv überraschst waren die Prüfärzte von den Ergebnissen der Gefäßuntersuchung: Die vaskuläre Entzündung wurde signifikant reduziert, mit einer Effektstärkte wie sie von Statinen zu erwarten ist. Laut Prof. Gelfand könnte dies ein Klasseneffekt des IL12 / 23-Blockers sein, da eine frühere Studie mit dem TNF-Blocker Adalimumab keine Wirkung auf die Aortenentzündung zeigte (3).
Ob diese Reduktion auch zu einem geringeren kardiovaskulären Risiko führt, ist unklar. Hier müssen längerfristige Effekte von Ustekinumab sowie Biomarker-Analysen abgewartet werden.

Hautpflege bei Aknetherapie unverzichtbar

Die meisten topischen Aknetherapeutika irritieren die Haut. Daher sollten unbedingt zeitgleich geeignete, nichtkomedogene hydratisierende Hautpflegemittel verordnet werden.
„In vielen Aknestudien wurde beobachtet, dass sich die Akne auch in der Gruppe verbessert, die das wirkstofffreie Vehikel erhält. Dies könnte auf eine Verbesserung der Barrierefunktion zurückzuführen sein“, erklärte Frau Prof. Hillary E. Baldwin, „Acne Treatment and Research  Center“ in Morristown (USA (4)). Gerade bei der Behandlung mit lokalen Aknetherapeutika wie Benzoylperoxid treten oft typische Begleiterscheinungen wie Stechen und Brennen, Rötungen, Photosensitivität sowie eine Trockenheit der Haut auf. Von Patienten werden diese Nebenwirkungen als sehr unangenehm erlebt. „Patienten sind viel zufriedener, wenn Sie über die eigentliche Therapie hinaus etwas gegen die Trockenheit der Haut tun“, erklärte Frau Prof Baldwin. Die Auswahl der Pflegeprodukte sollte man nicht den Patienten überlassen, da sie häufig zu ungeeigneten Produkten greifen. Aktuell steht beispielsweise Kokosöl hoch im Kurs – dies sei jedoch gerade für Aknepatienten wegen seiner komedogenen Wirkung völlig ungeeignet. Empfehlenswert sind Produkte, die Hyaluronsäure oder Ceramide enthalten. Wesentlich sei eine Hydratisierung vor allem im Winter, da auch Aknepatienten weniger Ceramide sowie einen erhöhen transepidermalen Wasserverlust (TEWL) aufweisen, was im Winter besonders ausgeprägt ist (5,6).

IL17-Blockade effektiv bei Genitalpsoriasis

Ixekizumab ist der erste IL17-Blocker, für den Daten zur Genitalpsoriasis vorliegen. Sie zeigen, dass die Therapie Betroffenen wieder zu einem ungestörteren Sexualleben verhilft: Schon ab der vierten Woche sank das psoriasisbedingte Vermeidungsverhalten von sexueller Aktivität.

Bei Psoriasispatienten sind erkrankungsbedingte Hautveränderungen im Genitalbereich keine Rarität und wirken sich besonders ungünstig auf die Lebensqualität aus. Symptome wie Schmerzen und Verschlimmerung der Befunde nach sexueller Aktivität sowie Dyspareunie tragen dazu bei, dass die Patienten in ihrem Sexualleben stark eingeschränkt sind. In der aktuell vorgestellten Phase 3b Studie, ging Dr. Jennifer Clay Cather, Modern Dermatology, Aesthetics Center, Dallas, USA der Frage nach, inwiefern eine Therapie mit Ixekizumab diesen Patienten helfen kann ein normaleres Sexualleben zu führen und damit deren Lebensqualität zu verbessern (7). Die 149 teilnehmenden Patienten litten alle unter moderater bis schwerer Genitalpsoriasis. Nach einer 1:1 Randomisierung, wurde eine Gruppe über 12 Wochen mit Placebo behandelt, die andere Patientengruppe erhielt zu Beginn einmalig 160 mg, danach über 12 Wochen vierzehntägig 80 mg Ixekizumab subkutan. Verglichen wurde der Einfluss der Genitalpsoriasis auf Sex-Frequenz, Vermeidung sexueller Aktivität, sowie die eventuell anschließende Verschlechterung der Psoriasissymptome. Die Erhebung fand mit Hilfe ausgewählter Fragen zum sexuellen Bereich aus verschiedenen standardisierten Fragebögen statt. In der Ixekizumab-Gruppe zeigten die Patienten schnell eine signifikante Besserung, die zu einer geringeren Einschränkung der Häufigkeit ihrer sexuellen Aktivität führte.

In den Wochen 2, 4 und 8 litten weniger Mitglieder der Gruppe, die Ixekizumab erhielten, unter Verschlimmerungen der lokalen Psoriasissymptome, die während oder nach dem Sex auftraten. Schon ab der zweiten Therapiewoche zeigten die Studienteilnehmer in der Verum-Gruppe weniger sexuelle Probleme, die durch ihren Hautzustand verursacht wurden. Unter denjenigen, die den Wirkstoff erhielten, gab auch ein größerer Teil an, sexuelle Aktivität nie oder selten krankheitsbedingt zu vermeiden. Dieser Vorteil begann bereits in Woche 4 und setzte sich bis Woche 12 fort (p < 0,001).

Bei AD-Patienten auf Osteoporose achten

Bei Patienten mit schwerem atopischen Ekzem (AD) sollte nicht nur an Schlafstörungen und allergische Komorbidität gedacht werden, sondern auch an die Möglichkeit einer Osteoporose. Diesen Rat gab Professor Jonathan Silverberg, Northwestern University Feinberg School of Medicine in Chicago (USA). Grundlage hierfür ist eine US-Studie mit 4972 erwachsenen Patienten im Alter von 20 bis 85 Jahren. Sie zeigte, dass Ekzeme auch bei Erwachsenen mit AD positiv mit Osteoporose und Frakturen assoziiert sind (9). Diese Beziehung wurde in einer Kohortenstudie aus Taiwan bestätigt (10). Risikofaktoren für Osteoporose waren höheres Alter, weibliches Geschlecht, erhöhte Komorbidität, Depression und die Einnahme von systemischen Kortikosteroiden. "Wir Dermatologen sollten uns wirklich bemühen, die Verordnung von systemischen Steroide zu minimieren und stattdessen andere systemische Mittel oder Phototherapie einzusetzen, um dieses Risiko zu reduzieren ", so der Schluss für die Praxis von Prof. Silverberg.
 

Dr. Susanne Kammerer

 

Literatur:
1          Churton S et al. Drugs 2014;74:169-82.
2          Gelfand JM. Abstract 6645
3          Bissonnette R et al. Circulation: Cardiovascular Imaging. 2013;6:83-90.
4          Baldwin H, oral presentation S048, AAD Annual Meeting, February 16-20 2018, San Diego, USA.
5          Pappas A et al. P7254, AAD Annual Meeting, February 16-20 2018, San Diego, USA.
6          Pappas A et al. Exp Dermatol 2018 Jan 21 [epub ahead of print]
7          Cather JC. P5935, AAD Annual Meeting, February 16-20 2018, San Diego, USA.
8          Silverberg J, oral presentation F012, AAD Annual Meeting, February 16-20 2018, San Diego, USA.
9          Gark NK, Silberberg JI. J Allergy Clin Immunol 2015; 135: 1085-7.
10        Wu CY et al. PLoS One 2017; 12: e0171667.

 

Quelle: 76. Jahrestreffen der „American Academy of Dermatology (AAD)“, 16. bis 20. Februar 2018, San Diego, USA.