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Dermatologie

Kleopatra im Bad
Bildmaterial aus „Cleopatra“ (FOX)

Wie Kleopatra zu ihrem Bad in Eselsmilch kam

Kleopatra ist die „Mutter des chemischen Peelings“ – Mythos oder Wahrheit? Was ist dran an dieser Geschichte? Ein Seitenblick

Spätestens seitdem der Vorkoster seinen Finger in das milchige Badewasser tauchte, dann abschleckte und ausrief: „Das Bad für Kleopatra ist fertig,“ ist allgemein bekannt, dass die schöne Königin vom Nil zur Verbesserung ihres Hautbildes in Milch gebadet hat. Die Szene stammt aus der 1968 veröffentlichten Comicverfilmung „Asterix und Kleopatra“. Aufmerksame Leser des zugrundeliegenden Comics von 1964 werden bemerkt haben, dass das Milchbad dort nicht vorkommt. Was war in der Zwischenzeit passiert? Ist im Zeichentrickfilm die Fantasie der Autoren Goscinny und Uderzo mit ihnen durchgegangen, und im sonst sauber recherchierten Comic nicht? Haben die Autoren mit dem Film vielleicht auf einen populären Trend reagiert? Wenn ja, wann und wie entstand das Bild der in Milch badenden Kleopatra?

Die Antworten auf diese Fragen finden sich einerseits in der Geschichte der Dermatologie und andererseits in der Geschichte des Kinofilms. Ein Blick in gegenwärtige wissenschaftliche Artikel zum sogenannten chemischen Peeling sollte durch Überprüfung der zitierten Quellen Aufschluss geben. Doch man wird enttäuscht: Die Spur lässt sich nur zurückverfolgen bis zu einem Artikel von Mandy Roberts aus dem Jahr 2004. Dort wird Kleopatra als die „Mutter des chemischen Peelings“ bezeichnet, weil sie in der Antike angeblich in saurer Eselsmilch gebadet habe. Die enthaltene Milchsäure könne die Haut chemisch abschälen. Durch die Regeneration der Haut ergebe sich dann ein ästhetisch verbessertes Hautbild, das heute noch das Ziel des chemischen Peelings mit verschiedenen Säuren ist. Eine Quelle für Kleopatras Milchbad gibt Roberts nicht an, was die Verfasser nachfolgender Artikel nicht daran gehindert hat, die Geschichte von Roberts zu zitieren.

Spurensuche in der Filmgeschichte

Betrachtet man nun die Geschichte der Kleopatra-Figur im Kinofilm, ist man zunächst mit über 100 Filmen konfrontiert, die es zu sichten gilt. Die Frau, die sie alle gesehen hat, ist Diana Wenzel. Sie hat 2005 in ihrer Dissertation „Kleopatra im Film“ das moderne Bild der ägyptischen Königin kulturhistorisch untersucht. Nach Wenzels Kenntnis gibt es keine Badeszene in einem Kleopatra-Film vor 1963. In jenem Jahr erschien der teuerste Film aller Zeiten: „Cleopatra“ mit Elizabeth Taylor als Kleopatra und Richard Burton als Marcus Antonius. Zwar ist nicht offensichtlich, dass Taylor in Milch badet, aber in einer Szene wird sie von Burton gefragt: „Die Milch einer Kuh, einer Ziege und eines Esels. Was glaubst du ist die beste für das Erweichen des Bartes?“ Die Eselsmilch, Kleopatra und eine königliche Badewanne waren zumindest im selben Raum (s. Abb.).

Gibt es überhaupt antike Texte, die Kleopatra aus ästhetisch-dermatologischen Gründen in ein Bad mit Eselsmilch steigen lassen? Eine Überprüfung der griechischen und lateinischen Originalquellen der Antike ergibt, dass es keinen Beleg für Kleopatras Milchbad gibt. Jedoch taucht plötzlich – im wahrsten Sinne des Wortes – eine andere Frau auf: Poppaea Sabina, die zweite Frau von Kaiser Nero, soll nach Ausweis dreier antiker Autoren, darunter ein damaliger Zeitgenosse, stets 500 Eselinnen mit sich geführt haben um in deren Milch zu baden. Das wurde 1932 erstmals in einem Kinofilm aufgegriffen. In „The Sign of the Cross“ badet die Schauspielerin Claudette Colbert in der Rolle der Poppaea eindeutig in Eselsmilch. Zwei Jahre später übernimmt Colbert in einem nächsten Film die Rolle der Kleopatra. Es ist nun naheliegend anzunehmen, dass es zu einer Art Verschmelzung beider Rollen kam, da sie von der gleichen Schauspielerin vertreten wurden. Einen Beitrag zur Popularisierung des Milchbades der viel bekannteren Kleopatra leistete dann der Taylor-Film von 1963, was dann im Asterix-Film 1968 aufgegriffen werden musste. Dermatologen können also für chemisches Peeling mit Milchsäure zwar mit Poppaea Sabina werben, sollten Kleopatra aber in Frieden ruhen lassen.

Dr. phil. Frank Ursin, M.A., Ulm


Der Film „Cleopatra“ mit Elizabeth Taylor und Richard Burton aus dem Jahr 1963 ist im Handel auf Blu-ray und DVD erhältlich.