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Dermatologie

Arzt untersucht vernderten Großzehennagel mit Lupe
Die Untersuchung des Nagelorgans ist ein wichtiges diagnostisches Instrument.
© Colourbox/Francesco Mou

Anomalien und Erkrankungen der Nägel

Häufig steckt ein Ernährungsmangel oder falsche Nagelpflege hinter weißen Flecken, Quer- oder Längsrillen. Doch auch Infektionen wie Nagelpilz oder ernste Krankheiten können sich durch Nagelveränderungen äußern.

Nägel dienen dem Schutz und der Stabilität der Finger- und Zehenkuppen sowie der taktilen Sensibilität und fungieren an den Fingern als Greifwerkzeuge. Gleichzeitig stellen kranke Nägel eine kosmetische Einschränkung dar. Ob im Nagelstudio durch bunte Muster verziert oder einfach nur regelmäßig mit Nagelschere gekürzt und gepflegt, schöne Nägel möchte jeder haben. Sie sind eines der Kriterien, ob wir unser Gegenüber als „gepflegt“ erachten. Umso schlimmer ist es, wenn eine Nagelerkrankung das gesunde Aussehen der Finger- oder Zehennägel beeinträchtigt.

Der schmerzende Nagel in der Praxis

Nagelerkrankungen sind ein häufiger Konsultationsgrund in der klinischen Praxis. Der schmerzende Nagel ist ein häufiges und unspezifisches Symptom vieler Veränderungen des Nagelapparats. Druckschmerz des Nagels oder des Nagelwalls sind Symptome unterschiedlicher Erkrankungen. Sie treten in jedem Lebensalter auf.  Allerdings nimmt die ältere Bevölkerung in der Anzahl zu und die Häufigkeit der Nagelerkrankungen steigt ebenfalls mit dem Lebensalter an.  Mit zunehmendem Alter werden Nägel trocken, brüchig und flach oder wachsen konkav, anstatt konvex. Es können sich Längsrillen bilden und auch die Farbe der Nägel kann gelblich oder grau werden.  Es gibt viele verschiedene Erkrankungen und Anomalien der Nägel, zum Beispiel Deformierungen, Dystrophien, Infektionen, Medikamentennebenwirkungen und eingewachsene Zehennägel. Insbesondere bei der Differenzialdiagnose von Nagelerkrankungen besteht häufig Unsicherheit. Neben der klinischen Inspektion sind die Auflichtmikroskopie, Bildgebung, mykologische beziehungsweise mikrobiologische Untersuchungen und die feingewebliche Untersuchung hilfreich. Maligne Tumoren des Nagels werden oftmals verzögert diagnostiziert. Bei subungualen Melanomen z.B. beträgt die Zeit vom ersten Symptom bis zur korrekten Diagnosestellung circa zwei Jahre. Schlussfolgerung: Die Untersuchung des Nagelorgans ist ein wichtiges diagnostisches Instrument.

Aufbau des Nagelapparats

Das Nagelsystem besteht aus der Nagelplatte (dem harten Teil des Nagels, der aus dem Protein Keratin besteht) und den umgebenden Strukturen. Das Nagelbett liegt unter dem Nagel und bildet die feste Verbindung zwischen Nagel und Finger. Die Nagelmatrix befindet sich an der Nagelbasis und bildet den Ausgangspunkt für das Nagelwachstum. Das Nagelhäutchen verbindet die Oberseite der Nagelplatte mit der dahinter liegenden Haut. Das Nagelmöndchen (Lunula) ist die halbmondartige Form an der Nagelbasis. Die Nagelfalze sind die harten Hautfalten an den Rändern der Nagelplatte, wo Nagel und Haut aufeinander treffen. Die Nagelplatte besteht überwiegend aus parallel angeordneten Keratinfilamenten, die für die mechanische Stabilität verantwortlich sind. Neben Mineralien und Cholesterin enthält der Nagel etwa 7 % Wasser. Das Nagelbett ist essenziell für ein horizontales Nagelwachstum. Die Nagelplatte ist 1000-mal durchlässiger für Wasser als die intakte Haut. Hier finden sich auch exogene Einlagerungen (Medikamente, Drogen, Arsen). Die horizontale Wachstumsrichtung des Nagels ist von der Unversehrtheit der Verbindung von Nagelplatte und Nagelbett abhängig. Die Wachstumsrate ist generell bei Fingernägeln größer (3,5 mm/Monat) als bei Zehennägeln (1,7 mm/Monat).
Eine sorgfältige Untersuchung der entsprechenden Nagelveränderung, einschliesslich Mykologie, Biopsie und feingeweblicher Untersuchung, verhindert die Progression möglicher Malignome und langfristige unbefriedigende Therapien differenzialdiagnostisch abzugrenzender benigner Nagelveränderungen verschiedentlicher Genese.

Ursachen für Erkrankungen und Anomalien der Nägel

  • Verletzungen der Finger- und Zehennägel
  • Nagelbeteiligung bei entzündlichen Dermatosen (Pityriasis rubra pilaris, Kontaktekzem, Dyskeratosis follicularis, Sklerodermie, Alopezia areata, Psoriasis, atopisches Ekzem, systemischer Lupus erythematodes, Lichen ruber)
  • Innere Krankheiten (Nieren- und Lungenerkrankungen, Infektionskrankheiten, Endokarditis, Hyperparathyreoidismus)
  • Medikamenteninduzierte Nagelerkrankungen (Vitamin A, Hydroxyurea, EGFR-Inhibitoren, Rituximab, Chemotherapeutika)
  • Strukturelle Probleme (Unguis incarnatus)
  • Angeborene Deformierungen (z. B. Pachyonychia congenita)
  • Sub- und periunguale benigne Tumore (Warzen, Granuloma teleangiektatikum, Fibrokeratom, Koenen Tumore, Glomustumor, mukoide Pseuozyste etc.) und maligne Tumore (Plattenepithelkarzinom, Morbus Bowen als die häufigsten, gefolgt vom subungualen maligne Melanom)
  • Bakterielle Infektion:  Die bakterielle Nagelinfektion entsteht oft durch eine akute oder chronische Paronychie, aus der auch subunguale Infektionen hervorgehen können. Die häufigsten Erreger sind Staphylococcus aureus oder Streptokokken. Künstliche Fingernägel sind stärker als natürliche Fingernägel mit Bakterien besiedelt.
  • Pilzinfektion: Die Onychomykose ist eine Infektion des Nagelapparates durch Dermatophyten, Hefepilze oder Schimmelpilze. Zehennägel sind deutlich häufiger als Fingernägel von einer Onychomykose betroffen. Aufgrund von vielfältigen Differenzial-diagnosen ist eine rein klinische Diagnosestellung einer Onychomykose nicht ausreichend, da die Blickdiagnose hierbei die höchste Rate an Fehldiagnosen birgt. Auch eine Fluoreszenzfärbung ist eine elegante und schnelle, aber präzise und einfache Methode zur Detektion von Pilzelementen am nativen oder paraffinierten Material.

Autorin:
PD Dr. med. Claudia Kauczok
Fachärztin für Dermatologie, Zusatzbezeichnung Dermatohistologie
»praxis für dermatohistologie« Würzburg