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Medizin

Frau mit Smartphone
Smartphone statt Arztpraxis? © teleclinic

Modellprojekt „digitale Sprechstunde“

In Baden-Württemberg dürfen Ärzte im von der Landesärztekammer genehmigten Modellprojekt der TeleClinic Patienten per Telefon oder Videosprechstunde behandeln und sogar Rezepte ausstellen.

Die Digitalisierung verändert unsere Kommunikationsgewohnheiten und auch die der Patienten. Es ist heute üblich über das Internet einzukaufen, Reisen zu buchen oder Bankgeschäfte zu erledigen. Auch Krankenkassen bieten zunehmend Online Geschäftsstellen für ihre Versicherten und natürlich läuft heute ein Großteil der Kommunikation über E-Mails. Durch diese digitalen Kommunikationsmöglichkeiten können wir selbst bestimmen wann und wo wir unsere Kommunikation erledigen und Patienten haben digitale Kanäle längst in ihr Alltagsleben integriert. Zunehmend werden daher Forderungen laut, dass auch der Arzt-Patienten-Kontakt digital möglich sein sollte.

Studien zeigen : Ärzte und Patienten befürworten Videosprechstunden

Eine bundesweite Forsa-Umfrage im Auftrag der Techniker Krankenkasse beweist, dass jeder Vierte in Deutschland mit seinem Arzt gerne per Video-Sprechstunde kommunizieren würde. Der Nutzen für Patienten ist groß: Sie müssten nicht bei jedem Anliegen oder jeder Frage extra eine Arztpraxis aufsuchen, beispielsweise wenn es um ein Folgerezept geht oder die Behandlung einer Erkältung. Für viele ist ein digitaler Arztbesuch leichter in den Alltag integrierbar. Rund die Hälfte der Bevölkerung befürworten laut dieser Studie die elektronische Kommunikation mit Medizinern. Ärzte können sich diesen Patientenbedürfnissen nicht verschließen. Denn im Europäischen Ausland ist es längst üblich, dass der Arztbesuch auch digital über Videosprechstunden stattfinden kann. Vor dem Hintergrund der freien Arztwahl in Europa und einem zunehmend digitalen Lebensstil stehen deutsche Ärzte vor der Herausforderung, auch ihren Patienten diese digitalen Möglichkeiten anzubieten. Und tatsächlich ist die Mehrheit der Ärzteschaft aufgeschlossen und begrüßt diese moderne Form der Arzt-Patienten-Kommunikation. Die überwiegende Mehrheit sieht einen dringenden Handlungsbedarf hinsichtlich digitaler Lösungen im Gesundheitssektor. Laut einer aktuellen Studie im Auftrag der Krankenkasse DAK-Gesundheit sehen Ärzte vor allen Dingen in Videosprechstunden und Online-Coachings nützliche Ansätze und die Mediziner sind überzeugt, dass digitale Angebote konkrete Vorteile für die Behandlung haben.

Die Rolle der Musterberufsordnung

Ein ortsunabhängiger Austausch zwischen Arzt und Patient ist in Deutschland aufgrund des im Berufsrecht verankerten ausschließlichen Fernbehandlungsverbot derzeit aber nur eingeschränkt möglich. In Paragraph 7 Absatz 4 der Musterberufsordnung ist geregelt: Ärztinnen und Ärzte dürfen individuelle ärztliche Behandlung, insbesondere auch Beratung, nicht ausschließlich über Print- und Kommunikationsmedien durchführen. Auch bei telemedizinischen Verfahren ist zu gewährleisten, dass eine Ärztin oder ein Arzt die Patientin oder den Patienten unmittelbar behandelt. Diese Regelung verbietet es Ärzten ihren Patienten individuelle medizinische Beratung zu erteilen, wenn diese zuvor nicht in der Praxis waren. Eine Regelung die nicht mehr in die heutige Zeit passt und deutsche Ärzte gegenüber ihren europäischen Kollegen wesentlich einschränkt und verhindert, dass Ärzte ihren Patienten eine moderne Form der Beratung und Behandlung anbieten können. Deshalb soll auf dem Ärztetag im Mai jetzt diese Regelung auf den Prüfstand kommen.

Baden-Württemberg: Das Labor für die telemedizinische ärztliche Behandlung

In Baden-Württemberg ist man bereits weiter. Dort dürfen Ärzte im von der Landesärztekammer genehmigten Modellprojekt der TeleClinic bereits Patienten per Telefon oder Videosprechstunde behandeln und sogar Rezepte ausstellen. Dort hat man erkannt, dass sich der digitale Fortschritt nicht ignorieren lässt und hat die Musterberufsordnung angepasst. Die Resonanz von Ärzten und Patienten ist ausgesprochen positiv. Natürlich kann nicht jede Krankheit per Videochat oder Telefon diagnostiziert und behandelt werden. In diesen Fällen werden die Patienten in eine Arztpraxis geschickt. Aber gut der Hälfte der Patienten können die Ärzte bereits per digitalem Kontakt weiterhelfen und sie abschließend behandeln. Dieses Modell hat Zukunft und ist in Europa und den USA längst etabliert. Norwegen hat das eRezept und die Schweiz bietet bereits seit mehr als zehn Jahren die Fernbehandlung an. Es wird Zeit mit den Europäischen Nachbarn auf gleicher Höhe zu agieren. Aber eben mit einer Lösung, die auf deutsche Ärzte und deutsches Recht und den hier geltenden Datenschutz zugeschnitten ist. Denn Datenschutz spielt im Arzt-Patienten-Kontakt eine wichtige Rolle und Vertrauen ist wichtig.

TeleClinic: Plattform für die digitale Sprechstunde

Der digitale Arztbesuch ist heute technisch keine Herausforderung mehr und bedeutet für Ärzte keinen nennenswerten Mehraufwand. Bereits seit 2015 bietet die TeleClinic für Ärzte eine Plattform für die digitale Sprechstunde. Diese Plattform wurde in Kooperation mit Ärzten entwickelt, damit sie den Bedürfnissen im Praxisalltag gerecht wird. Zugelassen sind bei TeleClinic ausschließlich in Deutschland praktizierende Ärzte. Kosten fallen für Ärzte nicht an. Rund 200 Ärzte aller Fachrichtungen - vom Dermatologen über Allgemeinmediziner bis Internisten oder Kardiologen - arbeiten bereits mit der TeleClinic zusammen. Neben jungen Kollegen bieten auch viele erfahrende, niedergelassene Ärzte über die Plattform Videosprechstunden an. Die flexiblen Arbeitszeiten sind vorteilhaft, das starre zeitliche Korsett des Praxisbetriebes entfällt. Auch einige ältere Kollegen, die sich aus dem Praxisbetrieb zurückgezogen haben und nur noch stundenweise arbeiten wollen, nutzen dieses Konzept der TeleClinic.

Videosprechstunde: Ein gesundes Gesundheitswesen

Ärztemangel auf dem Land, eine zunehmend älter und damit kränker werdende Gesellschaft, überlastete Notaufnahmen am Wochenende, lange Wartezeiten auf Termine und zunehmend chronisch erkrankte Patienten, die einer engmaschigen ärztlichen Betreuung bedürfen. Das sind brennende Probleme im deutschen Gesundheitswesen und diese Probleme belasten auch uns Ärzte. Ein Allheilmittel dagegen ist die Videosprechstunde natürlich nicht - aber sie kann eine Linderung herbeiführen. Zumindest können ärztliche Ressourcen gleichmäßiger über das Land verteilt werden und Notaufnahmen von Bagatellfällen entlastet werden, indem Patienten per Videosprechstunde geholfen wird. Durch Steuerung der Patienten können unnötige Praxisbesuche vermieden werden, was Ärzte und Patienten entlastet.

Prof. Dr. Reinhard Meier

Weitere Informationen zu TeleClinic und zur digitalen Arztsprechstunde finden Sie unter www.teleclinic.com.