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Medizin

Unterwegs in fernen Ländern – die eigene Vorsicht sollte im Gepäck nicht fehlen.
© Colourbox/Eakkaluk Aumaon

Verkehrssicherheit auf Reisen – darf bei der Beratung nicht unter die Räder kommen

Wenn Sie im Rahmen der Reiseberatung über Impfungen, Malaria, sonstige Tropenkrankheiten, Ernährung, Klima sowie Mücken- und Sonnenschutz aufgeklärt haben, sollten doch eigentlich die wichtigsten Gesundheitsrisiken komplett angesprochen sein, oder nicht? Weit gefehlt. Ein immer wieder vernachlässigtes Thema der reise-medizinischen Expertise ist die Verkehrssicherheit.

Jedes Jahr sterben weltweit 1,3 Millionen Menschen bei Verkehrsunfällen. Das sind mehr als 3.000 pro Tag. Damit stehen Unfälle im Straßenverkehr mit Todesfolge auf Platz 9 der Todesursachen weltweit.  Die Rate an Verletzten ist mit 20 bis 50 Millionen Verkehrsteilnehmern noch um ein Vielfaches höher.  Auch für Reisende ist das Risiko mit ca. 25.000 Todesfällen pro Jahr relevant.
Besonders bei Reisen in Entwicklungsländer, in denen sich mehr als 90% der Todesfälle durch Unfall zutragen, ist es sinnvoll, die Risiken ins Auge zu fassen. So sollten sich etwa Backpacker, die viel mit Bus, Taxi oder Bahn in Entwicklungsländern reisen, im Vorfeld informieren, welche Anbieter als sicher gelten. Vor Ort lohnt es sich, einen Blick nicht nur auf das Fahrzeug, sondern auch auf den Fahrer zu werfen. Völlig überladene Fahrzeuge in heruntergekommenem Zustand (insbesondere der Reifen) werden noch gefährlicher, wenn der Fahrer übermüdet ist, betrunken oder auch sonst einen nicht ganz zurechnungsfähigen Eindruck macht.
Dieselben Regeln gelten beim Mieten von Fortbewegungsmitteln. So kann es sich lohnen, die Qualität des Fahrzeugs zu kontrollieren, mit besonderem Blick auf sicherheitsrelevante Merkmale wie Reifen und Bremsen. Auch hier ist der Fahrer eines der größten Sicherheitsrisiken. Erschwerend hinzu kommen unbekannte Verkehrsregeln (auch „ungeschriebene“), Links- statt Rechtsverkehr, ortsspezifische Besonderheiten … Viele Touristen neigen hier zur Selbstüberschätzung. Eine besondere Sorglosigkeit findet sich bei vielen auch in Bezug auf Alkohol am Steuer – unter den oben genannten Bedingungen ein besonderes Risiko.

Ohne Sicherheitsgurt authentischer reisen?
Eigentlich sollte es überflüssig sein, das Thema Sicherheitsgurte anzusprechen. Allerdings halten viele Reisende es für authentisch, wie die meisten Einheimischen auf den Sicherheitsgurt zu verzichten (außerdem will man ja auch den Fahrer nicht durch die indirekte Misstrauensbekundung verärgern). Wirft man einen Blick auf die Unfallstatistiken in vielen Entwicklungsländern, sollte man sich zumindest Gedanken machen, ob der Wunsch nach Zugehörigkeit hier nicht besser dem gesunden Menschenverstand Platz machen sollte. Wenn man das Gefühl hat, deutlich zu schnell und unkontrolliert unterwegs zu sein, macht es durchaus Sinn, den Fahrer etwas einzubremsen

Medizinische Versorgung: Besser, man braucht sie nicht ...
Was viele auch nicht bedenken: Will ich im Reiseland wirklich notfallmäßig im Krankenhaus versorgt werden, falls etwas passiert? Im Hinblick auf die medizinische Versorgung, insbesondere in der Notfallmedizin, in vielen Entwicklungsländern ist dies eine Frage, die sich die meisten Reisenden dann doch eher selbst mit einem klaren „Nein“ beantworten. Lange Fahrtwege und schlecht ausgestattete Einrichtungen können selbst mittelschwere Verletzungen zur lebensgefährlichen Bedrohung werden lassen.
Auf Reisen sein sollte nicht bedeuten, auch Urlaub vom eigenen Selbsterhaltungstrieb zu machen. Wenn zu Hause in einem Fahrzeug mit allen möglichen technischen Sicherheitssystemen, Airbags und bei bekanntem Straßenverkehr mit besten Straßenverhältnissen ein nicht angelegter Sicherheitsgurt für Unbehagen sorgt, warum dann in einem rostigen Tuk-Tuk auf einer Schlaglochstraße mit fremdem Fahrer bereitwillig darauf verzichten?

Verkehrssicherheit gehört unbedingt zur Reiseberatung
Über alle diese Risiken sollten Reisende im Rahmen der Reiseberatung aufgeklärt werden. Vielleicht fallen sie vor allem deswegen oft unter den Tisch, weil bei uns Verkehrssicherheit etwas Selbstverständliches ist, das man in anderen Ländern dann nicht in Frage stellt. Die Grundregeln für ein sicheres Verhalten im internationalen Straßenverkehr nach den Empfehlungen des Centers for Disease Control and Prevention (CDC) sind im Kasten gegenüber zusammen­gefasst.
Wie wichtig Verkehrssicherheit ist, zeigt sich auch durch die Aufnahme des Themas in die  Sustainable Developmet Goals (SDG). Ziel ist es, durch Verbesserung der Straßensicherheit die Anzahl an Todesfällen im Straßenverkehr bis 2020 weltweit auf die Hälfte zu reduzieren. Nähere Informationen finden sich beispielsweise auf den Internet-Seiten der WHO:
www.who.int/violence_injury_prevention/road_traffic/en/.

Dr. med. Markus Frühwein
Praxis Dr. Frühwein & Partner
Allgemein- und Tropenmedizin, München
E-Mail: markus@drfruehwein.de