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Medizin

Frau mit Laptop
Digitale Fernbehandlung – erste Erfahrungen sind positiv. © TeleClinic

Digitale Fernbehandlung: Vorteile – und Grenzen

Das Modell-Projekt TeleClinic in Baden-Württemberg hat bereits erste Erfahrungen mit der rein digitalen Sprechstunde gesammelt. Die Resonanz ist positiv, es gibt abner auch Grenzen. Kommentar von Prof. Reinhard Meier, Medizinischer Direktor der TeleClinic.

Die Digitalisierung hat unsere Kommunikationsgewohnheiten und auch die der Patienten verändert. Es ist heute üblich über das Internet einzukaufen, Reisen zu buchen oder Bankgeschäfte zu erledigen. Und auch der Arztbesuch kann künftig online erfolgen, denn der 121. Deutsche Ärztetag hat entschieden, Fernbehandlungen zuzulassen, sofern der einzelne Arzt dies verantworten kann. Damit haben Ärzte die Möglichkeit, ihre Patienten über moderne und heute übliche Kommunikationsmittel wie PC, Smartphone oder Telefon zu behandeln.

Studien belegen: Ärzte und Patienten befürworten Videosprechstunden

Eine bundesweite Forsa-Umfrage im Auftrag der Techniker Krankenkasse belegt: Jeder Vierte in Deutschland würde gerne mit seinem Arzt per Video-Sprechstunde kommunizieren. Die Öffnung für die Fernbehandlung entspricht demnach den Patientenbedürfnissen. „Eine gute Entscheidung“, lobt auch Bundesgesundheitsminister Jens Spahn. Patienten würden damit unnötige Wege und Wartezeiten erspart.

Sie müssen nun nicht mehr bei jedem Anliegen oder jeder Frage extra eine Arztpraxis aufsuchen, beispielsweise wenn es um die Behandlung einer Erkältung geht. Für viele ist ein digitaler Arztbesuch leichter in den Alltag integrierbar. Der Ärztetag hat nun deutlich gemacht, dass man sich nicht länger diesen Patientenwünschen und dem digitalen Fortschritt entgegenstellt. Die Entscheidung auf dem Ärztetag bietet aber vor allem auch für uns Ärzte Vorteile. Denn jetzt ist klar: Der digitale Arztbesuch bzw. die Fernbehandlung wird nicht mehr ausländischen Anbietern überlassen, die letztlich der Ärzteschaft hierzulande Konkurrenz machen könnten. Denn bereits heute bedient sich eine zunehmende Anzahl von Patienten der einfachen digitalen Möglichkeiten im Ausland, um mit einem Arzt in Kontakt zu treten oder ein Rezept zu erhalten. In unseren europäischen Nachbarländern ist es längst üblich, dass der Arztbesuch digital über Videosprechstunden stattfinden kann. Vor dem Hintergrund der freien Arztwahl in Europa und einem zunehmend digitalen Lebensstil hat der Deutsche Ärztetag daher die richtige Entscheidung getroffen und die Ärzteschaft hierzulande gestärkt. Zumal die überwiegende Mehrheit der Ärzte einen dringenden Handlungsbedarf hinsichtlich digitaler Lösungen im Gesundheitssektor sieht.

Die neue Regelung in der Musterberufsordnung

Die neue Regelung in der Musterberufsordnung der Ärzte sieht künftig in Paragraf 7 Abs. 4 vor, dass Ärzte im Einzelfall auch bei ihnen noch unbekannten Patienten eine ausschließliche Beratung oder Behandlung über Kommunikationsmedien vornehmen dürfen. Sofern dies ärztlich vertretbar und die erforderliche ärztliche Sorgfalt gewahrt ist. Der physische Arztbesuch wird damit die Regel bleiben, aber durch eine sinnvolle Alternative ergänzt. Insbesondere für Folgebehandlungen oder leicht über die Ferne zu diagnostizierende Krankheiten eignet sich die Fernbehandlung. Patient und Arzt sitzen sich zwar nicht in der Praxis gegenüber, per Videotelefonie können sich Ärzte aber doch ein recht gutes Bild vom Patienten machen.

Baden-Württemberg: Das Labor für die telemedizinische ärztliche Behandlung

In Baden-Württemberg hat man mit dem telemedizinischen Arztbesuch bereits Erfahrungen gesammelt. Dort dürfen Ärzte im von der Landesärztekammer genehmigten Modellprojekt der Tele-Clinic bereits seit Oktober 2016 Patienten per Telefon oder Videosprechstunde behandeln und sogar Rezepte ausstellen. Die Resonanz von Ärzten und Patienten ist ausgesprochen positiv. Natürlich kann nicht jede Krankheit per Videochat oder Telefon diagnostiziert und behandelt werden. In diesen Fällen werden die Patienten in eine Arztpraxis geschickt. Aber gut der Hälfte der Patienten können die Ärzte bereits per digitalem Kontakt weiterhelfen und sie abschließend behandeln.

Kein nennenswerter -Mehraufwand für Ärzte

Der digitale Arztbesuch ist heute technisch keine Herausforderung mehr und bedeutet für Ärzte keinen nennenswerten Mehraufwand. Bereits seit 2015 bietet die von mir mitgegründete Tele-Clinic Ärzten eine Plattform für die digitale Sprechstunde. Diese Plattform wurde in Kooperation mit Ärzten entwickelt, damit sie den Bedürfnissen im Praxisalltag gerecht wird. Auch datenschutzrechtlich entspricht die Plattform den strengen deutschen Ansprüchen.

Ein Skypen mit Patienten halte ich datenschutzrechtlich für problematisch und nicht professionell, zumal Skype keine Funktionen wie digitale Rezeptausstellung oder abrechnungsspezifische Funktionen vorsieht. Auch Gesundheitsdokumente können und sollten dort nicht hochgeladen werden. Ärzten und Patienten muss für den digitalen Arztbesuch eine maßgeschneiderte und sichere Plattform zur Verfügung stehen, die den Bedürfnissen sowohl der Ärzte als auch Patienten entspricht.

Weitere Informationen zu TeleClinic und zur digitalen Arztsprechstunde finden Sie unter www.teleclinic.com.