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Medizin

Operation
Vor einer anstehenden Operation sollen Patienten mit Blutarmut identifiziert werden.
© Colourbox

Blutarmut vor der OP: Wie sinnvoll sind Eisen und Epo?

Schlechte Hämoglobinwerte vor der Operation weisen auf eine höhere Sterblichkeit hin. Doch der Hämoglobin-Wert darf keine alleinige Entscheidungsgrundlage für eine präoperative Behandlung sein.

Die präoperative Anämie – ausgelöst durch akute oder chronische Blutungen, Eisenmangel, Nieren- oder Krebserkrankungen – gilt als Risikofaktor für erhöhte Sterblichkeit, Herzinfarkt, Schlaganfall oder Niereninsuffizienz bei Operationen. Im Rahmen des „Patient Blood Management“ wird gefordert, Patienten mit Anämie vor einer Operation, bei der sie viel Blut verlieren, zu identifizieren und ihr eigenes Blut vor dem Eingriff anzureichern, um seltener auf Blutkonserven zurückgreifen zu müssen. Die Betroffenen erhalten Eisen, Erythropoietin oder eine Kombination aus beidem. In der wissenschaftlichen Diskussion sind die Vor- und Nachteile dieser Präparate im Vergleich zum bisherigen Verfahren nicht abschließend geklärt.  Denn die medikamentöse Therapie ist nicht ganz risikoarm: „Auch Eisenpräparate sind nicht gänzlich ohne Nebenwirkungen. So kann z. B. die intravenöse Eisengabe Infektionen begünstigen und Allergien hervorrufen, Erythropoietin weist laut Angaben der Hersteller potenziell eine Reihe von Nebenwirkungen auf, so kann es z. B. auch Thrombosen begünstigen“, erklärt Professor Erhard Seifried, Präsident der internationalen Konsensuskonferenz zum Patient Blood Management (ICC-PBM).

Therapie der präoperativen Anämie muss individuell erfolgen
Überraschenderweise kamen Experten in dieser Konferenz zu dem Ergebnis, dass die Grundlagen der analysierten Studien nicht ausreichend sind, um die präoperative Anämie zweifelsfrei für Komplikationen wie Schlaganfall, Herzinfarkt oder Nierenversagen verantwortlich zu machen. Dennoch lautet die klare Empfehlung am Ende der Konferenz: Vor einer anstehenden Operation sollen Patienten mit Blutarmut identifiziert werden. Wie die Anämie dann behandelt wird, hängt allerdings vom Patienten ab. Hier muss laut der Experten ein Entscheidungsalgorithmus greifen, der Faktoren wie Alter, Begleiterkrankungen, Hämoglobinwert, Dauer der Anämie und Art der Operation berücksichtigt. „Bei der Therapie einer präoperativen Anämie ist es wichtig, jeden Patienten individuell zu beurteilen – eine spontan auftretende Blutarmut erfordert eine andere Behandlung als ein Eisenmangel, der schon länger bekannt ist und bei älteren Patienten muss unter Umständen früher eingriffen werden als bei jüngeren“, nennt Seifried einige Beispiele. Ob ein Patient Eisen, Erythropoietin oder eine Kombination aus beidem erhalten soll, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Ein niedriger Hämoglobinwert allein reicht nicht aus, um über die Behandlung des Patienten zu entscheiden. Anämie ist laut WHO durch einen Hämoglobinwert von <12 g/dl bei Frauen und <13 g/dl bei Männern definiert. „Ein Wert, der vor 50 Jahren festgelegt und aus den Daten von nur fünf Studien basiert – daraus können wir heute keine Schlussfolgerungen mehr ziehen“, sagt Seifried.