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Medizin

rote Limonade
Intensiver Limonaden-Konsum soll einer Studie zufolge das Brustkrebsrisiko steigern.
© Andreas Hermsdorf / pixelio.de

Stark verarbeitete Lebensmittel könnten Krebsrisiko erhöhen

Erstmals geht eine Studie der Frage nach, ob ein Zusammenhang zwischen Krebs und stark verarbeiteten Nahrungsmitteln besteht.

Zwei Jahre lang protokollierten dafür 104.980 Teilnehmer der Nutri-Net-Santé-Kohorte alle sechs Monate ihre Ernährung. Die Nahrungsmittel wurden in die Kategorien unverarbeitete Nahrungsmittel, verarbeitete Nahrungsmittel für die Zubereitung (z.B. Öle), verarbeitete Nahrungsmittel und stark verarbeitete Nahrungsmittel (z.B. Süßigkeiten, Fertiggerichte) eingeordnet und die Mengenverhältnisse der unterschiedlichen Nahrungsmittelkategorien für jeden Teilnehmer errechnet. Ihren Gesundheitszustand teilten die Probanden alle drei Monate und bei Bedarf mit, bei Krebserkrankungen erfragte ein Mediziner alle notwendigen Informationen. 2228 Krebsfälle traten auf, davon 739 Fälle von Brustkrebs. Die Daten über die Ernährung und Krebserkrankungen wurden mit der Cox-Regression in Beziehung gesetzt.

Risiko für postmenopausalen Brustkrebs erhöht

Die Auswertung ergab, dass der Konsum von stark verarbeiteten Nahrungsmitteln ein erhöhtes allgemeines Risiko für eine Krebserkrankung und für Brustkrebs mit sich brachte: 10% höherer Konsum von stark verarbeiteten Nahrungsmitteln ließen das Hazard Ratio (HR) für eine Krebserkrankung auf 1,12 (p<0,001) steigen, bei Brustkrebs stieg der HR auf 1,11 (p=0,02). Die letztere Beobachtung war signifikant für postmenopausalen Brustkrebs, nicht für prämenopausalen Brustkrebs. Stark verarbeitete Fette und Saucen, Süßigkeiten und Limonaden erhöhten das Risiko für eine allgemeine Krebserkrankung besonders; vor allem das Risiko für Brustkrebs stieg bei Limonaden-Genuss. Ein um 10% höherer Konsum von minimal verarbeiteten und unverarbeiteten Nahrungsmitteln senkte das HR für eine Krebserkrankung auf 0,91 (p<0,001).

Die Stärken dieser Studie sind ihre große Teilnehmerzahl und die detaillierte Datenerhebung. Schwächen sind eine die allgemeine Bevölkerung nicht repräsentierende Stichprobe, mögliche Missklassifikationen bei den NOVA-Klassen und möglicherweise nicht entdeckte Krebsfälle.

Roland Müller-Waldeck

Quelle: Thibault Fiolet et al. Consumption of ultra-processed foods and cancer risk: results from NutriNet-Santé prospective cohort. BMJ 2018;360:k322. Doi: 10.1136/bmj.k322