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Kardiologie

Eingang zum DGK-Kongress
Eingang zum DGK-Kongress
© Westphal

Deutscher Herzkongress: Kardiologie am Puls der Zeit

Unter dem Motto „Kardiologie 2018 – von der Grundlagenforschung zur Hochleistungsmedizin“ diskutierten auf der 84. Jahrestagung der „Deutschen Gesellschaft für Kardiologie“ (DGK) rund 9.000 Teilnehmer über die neuesten Entwicklungen in der Herz-Kreislauf-Medizin.

„Dass die Lebenserwartung in Deutschland weiter ansteigt und jetzt bei neugeborenen Jungen 78 Jahre und vier Monate, und bei neugeborenen Mädchen 83 Jahre und zwei Monate beträgt, dafür sind maßgeblich auch die diagnostischen und therapeutischen Fortschritte in der modernen Herz-Medizin mitverantwortlich“, so Prof. Hugo Katus, Heidelberg, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie (DGK) auf einer Pressekonferenz. Dennoch sind Herz-Kreislauf-Erkrankungen nach wie vor die Todesursache Nummer 1. Eine Ursache hierfür ist der ver­breitete, von Übergewicht, Bewegungsarmut und Rauchen geprägte Lebensstil, der viele Fortschritte der Kardiologie wieder neutralisiert.

Prävention verstärkt fokussieren
Wie Katus ausführte, senkt nach einem Myokardinfarkt die tägliche Einnahme von niedrig dosierter Acetylsalicylsäure (ASS) die jährliche Sterblichkeit um rund 13%. Statine verringern die Sterblichkeit um 25%. In dieser Größenordnung liegen auch die lebensverlängernden Wirkungen von ACE-Hemmern (-22%) und Betablockern (-23%). Lebensstilveränderungen wie Nikotinverzicht, Gewichtsreduktion, gesunde Ernährung und körperliches Training bringen einen Effekt in der Größenordnung von mindestens 20%.
Als weitere Ursache der noch immer ­hohen Sterblichkeit bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen nannte Katus die mangelnde Akzeptanz von Früherkennungsmaßnahmen. Kardiovaskuläre Risiko­faktoren wie Hypertonie, erhöhte Werte von LDL-Cholesterin und Glukose werden daher oft nicht erkannt. „Die DGK wird, wie schon bisher, durch Auf­klärung und Informa­tion dazu beitragen, dass eine höhere Inanspruchnahme von Früherkennungs­untersuchungen zu einer weiteren Reduktion der kardiovaskulären Sterblichkeit führt“, so Katus.

Umdenken beim BMI
Bereits bei einem bislang als „normal“ geltenden Body-Mass-Index (BMI) von 24 kg/m2 steigt das kardiovaskuläre Risiko an, so das Ergebnis einer aktuell im European Heart Journal (https://doi.org/10.1093/eurheartj/ehy057) publizier­ten Studie. „Mit dem in der Bevölkerung verbreiteten Glauben – ein ‚bisschen dick‘ sei nicht schlimm – muss aufgeräumt werden“, so Prof. Nikolaus Marx, Aachen. Das Ergebnis basiert auf den Daten von 296.535 gesunden, im Mittel 55 Jahre alten Europäern, die über einen Zeitraum von fünf Jahren  beob­achtet wurden. Das niedrigste Risiko hatten diejenigen mit einem BMI von22–23 kg/m2. Mit jedem Anstieg von 5,2 kg/m2 erhöhte sich das kardiovaskuläre Risiko um 13%.

Frauen haben doch keine höhere Herzinfarktsterblichkeit
Ende eines Mythos: Frauen haben keine höhere Sterblichkeit nach einem Herzinfarkt als Männer, wenn nach Alter und Risikofaktoren adjustiert wird. Auch bei der Akuttherapie gibt es keine Unterschiede. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie, die mittels Risiko-adjustierter Analyse des Datensatzes 2013 der externen Qualitätssicherung des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) untersuchte, ob statistisch signifikante Unterschiede zwischen Frauen und Männern bei der Krankenhaussterblichkeit bei STEMI mit perkutaner Koronar­intervention (PCI) bestehen.
Analysiert wurden die Daten von 8.938 Frauen und 23.241 Männern. Die beiden Gruppen unterschieden sich statis­tisch signifikant in zahlreichen Variablen, einschließlich der Krankenhausmortalität, die 10,8% bei Frauen und 7,1% bei Männern betrug. „Der Unterschied in der Sterblichkeit kann zu einem Großteil durch den Altersunterschied zwischen Frauen und Männern erklärt werden“, so Studienautor Dr. Kurt Bestehorn, Dresden. „Hinsichtlich der in den Kliniken durchgeführten Prozeduren ergaben sich keine Unterschiede zwischen beiden Geschlechtern.“
Intraprozedurale Ereignisse waren bei beiden Geschlechtern mit jeweils 0,3% gleich häufig, darunter Reanimation mit 0,1% und Tod im Katheterlabor mit 0,02%. Auch bei postprozeduralen Ereignissen wie Myokardinfarkt (jeweils 0,1%), transitorische ischämische Attacke (TIA) oder Schlaganfall (0,2% bei Frauen, 0,1% bei Männern), Reanima­tion (jeweils 0,6%) und der Krankenhaussterblichkeit (4,1% bei Frauen und 3,6% bei Männern) bestanden keine statistisch signifikanten Unterschiede.

Tipps für Patienten mit Herzinsuffizienz
Patienten mit Herzinsuffizienz können selbst zur Verbesserung ihres Gesundheitszustandes beitragen, indem sie geeignetes körperliches Training machen. „Die Bewegungstherapie ist bei Herzinsuffizienz sehr wirksam, um zusätzlich zur medikamentösen Therapie eine Nachlastreduktion und damit auch eine Entlastung des Herzens zu erreichen. Bewegung reduziert auch die durch Herzinsuffizienz bedingten Krankenhausaufenthalte,“, erklärte Prof. Rainer Hambrecht, Bremen.
Vor Beginn des individuellen Trainingsprogramms ist eine ärztliche Unter­suchung mit Belastungstest und Echokardiografie erforderlich. Anhand dieser Basisdaten wird die initiale Trainingssteuerung festgelegt. Die Frage, ob Ausdauertraining oder hochintensives Intervalltraining besser geeignet ist, wurde in der SMARTEX-Studie (Circulation 2017; doi.org/10.1161/CIRCULATIONAHA.116.022924) untersucht: Die beiden Trainingsformen zeigten keinen Unterschied in den Ergebnissen. Prof. Hambrecht favorisiert das praktikablere Ausdauertraining. Dabei wird vier bis fünf Mal pro Woche trainiert. „Zunächst absolvieren die Patienten Einheiten von fünf bis zehn Minuten. Diese Trainingsphase wird dann schrittweise gesteigert und die Intensität auf optimal 60% der maximalen Sauerstoffaufnahme angepasst“, erklärte Hambrecht. Durchgeführt wird das ärztlich überwachte Training idealerweise in Herzsport­gruppen oder in zertifizierten Sport­studios, die speziell ausgebildetes Personal für die Betreuung von Patienten mit eingeschränkter Herzfunk­tion haben.

Hohes Schlaganfallrisiko nach „Broken-Heart-Syndrome“
Nach einer Stress-Kardiomyopathie (Takotsubo-Syndrom, „Broken-Heart-Syn­drome“) ist das Risiko, innerhalb von fünf Jahren einen Schlaganfall zu erleiden, deutlich höher als nach einem Herzinfarkt. Zu diesem Schluss kommt eine Studie der Universitäts-Medizin Mannheim. „Die Prognose des Takotsubo-Syndroms wurde früher als günstig eingeschätzt. Neuere Studien zeigen aber, dass Betroffene eine gleich hohe Mortalität haben wie Patienten mit einem akuten Herzinfarkt“, so Dr. Ibrahim El-Battrawy, Mannheim. „Unsere Daten zeigten, dass die Langzeitinzidenz für Schlaganfälle nach fünf Jahren bei Patienten mit dem Takotsubo-Syndrom mit 6,5% deutlich höher war als bei Patienten mit Herzinfarkt mit 3,2%. Ein Vergleich der Komorbiditäten sowie der Begleiterkrankungen wie z. B. Vorhofflimmern, Lungenerkrankungen, Diabetes mellitus, Adipositas und Bluthochdruck zeigte keine relevanten Unterschiede.

Herzinfarktsterblichkeit hängt ab von Alter, Gewicht und PCI
Etwa ein Viertel interventionell behandelter Herzinfarktpatienten sind nach fünf Jahren nicht mehr am Leben. Dies zeigte eine Untersuchung des Bremer Instituts für Herz- und Kreislaufforschung am Klinikum Links der Weser.
Ausgewertet wurden die 5-Jahres-Nachbeobachtungsdaten von 3.736 Patienten, die wegen eines ST-Hebungs-Myokardinfarkts (STEMI) interventionell behandelt wurden. Insgesamt 95,3% hatten eine erfolgreiche Akut-PCI erhalten. Die Akutmortalität betrug 8,4%, nach fünf Jahren waren 21,3% der Patienten verstorben.
Der wichtigste Faktor zum Erreichen einer niedrigen 5-Jahres-Mortalität war die erfolgreiche Akut-PCI.
Die stärksten Prädiktoren für eine erhöhte Langzeitmortalität waren ein Alter über 75 Jahren, eine eingeschränkte Nierenfunktion mit Kreatininwerten von oder über 2 mg/dl und die Größe des Infarkts mit CPK-Werten von oder über 3.000 U/I. Ein Body-Mass-Index (BMI) zwischen 25 und 35 kg/m2 war mit einer niedrigeren Langzeitmortalität assoziiert, während bei einem BMI von mehr als 35 kg/m2 keine signifikante Assozia­tion zur Mortalität bestand und ein BMI von weniger als 20 kg/m2 mit einer signifikant erhöhten Mortalität assoziiert war.

Dr. med. Kirsten Westphal

Veranstaltungen im Rahmen der 84. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie (DGK) vom 4. bis 7. April 2018 in Mannheim; Pressetexte DGK 04/2018; Informationen von DGK.org