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Allgemein Medizin

Wartezimmer in einer Praxis
Spezialisierung auf den ersten Blick erkennbar: Praxis für reisemedizinische Beratung
© E. Decouard

Zur Marke werden – Rendite verbessern

Marke? Brauche ich nicht. So denken vermutlich viele Ärzte. Auf den ersten Blick verständlich. Marken wie Harley Davidson oder Porsche haben zwar Kultcharakter, doch was hat das mit einer Arztpraxis zu tun?

„Viel“, lautet die Antwort von Manuel Marburger. Der Mittelstandsexperte, der etliche Ärzte auf dem Weg zur Marke berät, sieht zwei Gründe: Motivierte Mitarbeiter und eine bessere Rendite. Aus Personal-Studien ist bekannt, dass emotional aufgeladene Arbeitgeber leichter Mitarbeiter finden (Porsche kennt keinen Personalmangel). Fast parallel steigt die intrinsische Motivation, wenn sich die Leute dann auch noch mit der Arbeitgebermarke identifizieren. „Sie drehen für den Chef die Runde extra“, sagt Marburger. Zudem steigt die Rendite, wenn über die Strahlkraft der Marke mehr Privatpatienten in die Praxis kommen.

Der Weg zu Marke gelingt laut Marburger in sieben Schritten.

Tipp 1: Hoher Wert
Grundvoraussetzung ist, dass die abgelieferte Arbeit einen hohen Wert haben muss. „Krankt das Produkt, hilft kein Marketing“, konstatiert der 45-jährige Berater. Für Arztpraxen bedeutet das, dass die Ärzte fachlich sehr gut aus- und ständig weitergebildet sein müssen. Diese Leistung in Form von Urkunden und Zertifikaten gehört dann an die Wand und auf die Webseite. „Patienten sollen diese Werte visuell wahrnehmen können“, verdeutlicht der Experte.

Tipp 2: Spezialisierung
Einher geht damit der Weg zum Spezialisten. Egal ob reisemedizinische Beratung oder Impfschutz die Richtung ist, „werden Sie erkennbar Experte für ein Thema“, weiß Marburger aus eigener Erfahrung.

Tipp 3: Service
Durch diese Zuspitzung können Ärzte am Service – der Behandlung – feilen. Wer immer wieder mit denselben Themen konfrontiert ist, kann die perfekte Dienstleistung entwickeln.

Tipp 4: Ambiente
Dazu gehört es, ein besonderes Ambiente zu schaffen. Kleinigkeiten wie kostenlose Kaltgetränke oder Kaffee im Wartezimmer, dazu ein Bildschirm mit gut aufbereiteten Dokumentationen der eigenen Arbeit und ein Imagevideo können solche Ansätze sein

Tipp 5. Corporate Identity
Weil nachweislich erste Eindrücke über die Optik gesammelt werden, empfiehlt Marburger eine Corporate Identity – eine betriebliche Identität – zu entwickeln. Dieses sollte sich genauso in der Innenarchitektur der Räume spiegeln, wie in der Dienstkleidung der MFAs (und der Ärzte). „Wer mutig ist, findet zum Weiß eine zur Praxis-Philosophie passende Farbe“, sagt Marburger, so hebe sich das Angebot optisch von Mitbewerbern am Ort ab, die womöglich noch im 1980-er-Stil eingerichtet sind und wenig Wert auf Corporate Identity legen.

Tipp 6: Netzwerk
Zur Imagebildung gehört für den Mittelstandsberater ebenso das passende Netzwerk. So sollte ein Orthopäde eine Physiopraxis empfehlen können, die er selbst und seine Patienten zur Zufriedenheit getestet haben. „Im Idealfall wird durch so eine Empfehlung das Vertrauen vererbt“, verdeutlicht Marburger – und zwar in beide Richtungen. So kommen auch vom Physiotherapeuten Patienten in die orthopädische Praxis.

Tipp 7: Praxismanagement
Ein Terminsystem sollte darauf abzielen, Wartezeiten zu optimieren und vor allem zu verkürzen. Online-Terminbuchungen würden heute vor allem von jüngeren Patienten erwartet, begründet Marburger. Dieser Service transportiere im Übrigen, dass Patienten als Menschen wahrgenommen würden. „Wer mit einer Wartezeit-freien Untersuchung startet, signalisiert einen wertschätzenden Umgang “, so der Ärzte-Berater. Wenn sich dieses Einstiegsgefühl über die gesamte Aufenthaltszeit in der Praxis fortpflanzt, gelinge Markenbildung unterschwellig.

Henrik Stüwe

Text zum Bild: Spezialisierung auf den ersten Blick erkennbar

Nach der Übernahme einer alten Praxis für Allgemeinmedizin in Berlin-Schöneberg wollte der neue Betreiber Dr. Edoardo Viviano seine Spezialisierung für Reisemedizin als Thema in die Gestaltung seiner neuen Räume integrieren. Dafür wurde wurde die gesamte Praxis vom Planungsbüro raumdeuter GbR – Innenarchitektur umgebaut und neu gegliedert. Werbeplakate von Fluggesellschaften der 50er und 60er Jahre vermitteln neben der Lust auf ferne Länder auch Mondänität, Weltoffenheit und Eleganz. Sie wurden dunkel gerahmt und erzeugen gemeinsam mit einer Kombination von historischen und modernen Möbeln eine wohnliche Atmosphäre. Besonders beindruckend ist der originale Propeller eines historischen Flugzeugs oberhalb der Wasser- und Kaffeestation.
Quelle: Planungsbüro raumdeuter GbR – Innenarchitektur