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Allgemein Medizin

Frau vor Computer in Arztpraxis
Kaufen, mieten oder leasen? Vor allem für Existenzgründer können hohe Investitionen bei der Praxiseinrichtung ein Problem sein.
© Colourbox/ Phovoir

Tipps für die Praxis-Finanzierung

Kaufen oder Leasen? Die Finanzierung einer Arztpraxis ist ein komplexes Thema: Es geht um -Steuern, Liquidität und Strategie. Immer häufiger bringen Ärzte deshalb ihren Steuerberater mit zum Finanzierungsgespräch.

Weil eine neue Praxiseinrichtung im Schnitt 150.000 bis 250.000 Euro kostet, wird sie immer aus einem Mix von Eigenkapital, Bankkredit und Leasing finanziert. „Entscheidend ist die Zusammensetzung der Anteile“, sagt der Mannheimer Finanzberater Markus Sobau.

Kostet ein Behandlungsstuhl 50.000 Euro oder ein Röntgengerät 15.000 Euro, schont Leasing die Liquidität, die monatliche Rate ist steuerlich voll abzugsfähig und der Arzt kann regelmäßig das Equipment problemlos gegen effizienteres oder ästhetischeres austauschen, nennt Sobau die Vorteile dieses Finanzierungsmodells. Üblich seien Laufzeiten von vier bis fünf Jahren, an die Kunden aber nicht zwingend gebunden sind.

Lange Vertragslaufzeit – geringere Leasingrate

Beim Leasing kauft der Leasinggeber das Wirtschaftsgut, refinanziert sich über dessen Überlassung und bei dessen Rückgabe bleibt er Eigentümer des Geräts. Bei dessen Veräußerung sind ihm die Hersteller behilflich, die davon profitieren, dass der Praxisinhaber neues Equipment kauft.

Wirtschaftsprüfer Jochen Zimmermann aus Stuttgart rät Leasingnehmern, die Raten der Laufzeit samt Restwert zu addieren und dem Neukaufpreis gegenüberzustellen. „Dann sehen Sie, was Sie an Zins, Verwaltung und Marge bezahlen.“ Existenzgründer sind in der Regel an einer geringen Leasingrate interessiert, weshalb der Restwert bei Vertragsende dann hoch ist. Einer von vielen Parametern, um die Rate gering zu halten, ist, die Vertragslaufzeit zu verlängern. Oder der Kunde erwirbt danach das Gerät.

„Das Beispiel zeigt, wie viele Mechanismen ineinander greifen,“ sagt Sobau, der jedem Arzt dringend eine Praxisvollmacht für den Ernstfall empfiehlt. Diese gilt generell oder spezifiziert für die Leasingverträge, damit diese im Einzelfall weiter bedient oder neu verhandelt werden können. Und zur Absicherung der Leasingrate empfiehlt der Finanzprofi, Krankheit, Berufsunfähigkeit und Todesfall abzusichern.

Wichtig für die Entscheidung für Kauf, Mietkauf oder Leasing sind neben steuerlichen vor allem betriebswirtschaftliche Aspekte. So verschmelzen in der aktuellen Medizintechnik Röntgengerät und Behandlungsstuhl immer mehr zu einer Einheit. Das spart Raum, verbessert die Ergonomie und nebenbei auch die Ästhetik.

Alle Leasingverträge bei einem Anbieter bündeln

Dabei haben Ärzte zwei Grundstrategien: Neues Equipment, hohe Investitionen, wenig Personal, kürzere Behandlungszeiten. Oder älteres Equipment, geringe Kosten, mehr Personal, längere Behandlungszeiten oder auch mehr Termine je Patient: „Damit steuern Sie letztlich, welche Art von Patienten Sie haben wollen, Stichwort Privatversicherte“, meint Sodau. Zimmermann ergänzt: Es lohne, Branchenkompetenz und Seriosität von Leasing-Anbietern zu hinterfragen. Wenn einer überzeugt, könne man bei ihm alle Leasingverträge, etwa auch für das Auto, bündeln, um die eigene Verhandlungsposition zu stärken.

Hendrik Stüwe