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Allgemein Medizin

Spritze vor Arm eines Mädchens
Ziel der Impfung ist es, eine zukünftige HPV-Infektion und die durch Hochrisiko-Stämme von HPV verursachten Krebsarten zu verhindern.
© Getty iStock/Pornpak Khunatorn

HPV-Impfung: Neuer Cochrane Review

Ein neuer Cochrane Review liefert Informationen über Wirksamkeit und mögliche Nebenwirkungen verschiedener Impfstoffe gegen Humane Papillomaviren (HPV) und HPV-Impfstoffpläne bei jungen Frauen und Männern.

Vier Studien verglichen einen Zwei-Dosis-Impfplan mit einem Drei-Dosis-Plan bei 2.317 heranwachsenden Mädchen und drei Studien verglichen unterschiedliche Zeitintervalle zwischen den ersten beiden Impfstoffdosen bei 2.349 Mädchen und Jungen. Die Antikörperreaktionen waren ähnlich nach zwei- und dreifachen HPV-Impfplänen bei Mädchen. Die Antikörperreaktionen bei Mädchen und Jungen waren stärker, wenn der zeitliche Abstand zwischen den ersten beiden Dosen des HPV-Impfstoffs länger war.

Es gab Belege aus einer Studie mit 16- bis 26-jährigen Männern, dass der vierwertige HPV-Impfstoff die Inzidenz von äußeren Genitalläsionen und Genitalwarzen reduziert, verglichen mit einer Gruppe, die den HPV-Impfstoff nicht erhielt.

Eine Studie mit 16- bis 26-jährigen Frauen, welche die Neun- und Vierfach-Impfstoffe verglich, ergab, dass beide ein ähnliches Maß an Schutz vor präkanzerösen Läsionen an Gebärmutterhals, Vulva und Vagina bieten. 

Sieben Studien lieferten Evidenz über HPV-Impfstoffe bei Menschen, die mit HIV leben. Die HPV-Antikörperreaktionen bei Kindern mit HIV-Infektion waren nach der Impfung mit einem bivalenten oder vierwertigen Impfstoff höher als bei einem Neunfach-Impfstoff gegen HPV. Diese Antikörperreaktionen gegen HPV konnten bis zu zwei Jahre aufrechterhalten werden. Der Nachweis über klinische Ergebnisse und Nebenwirkungen für HPV-Impfstoffe bei Menschen mit HIV war sehr begrenzt.

Die Evidenz deutete darauf hin, dass bis zu 90 Prozent der Männer und Frauen, die einen HPV-Impfstoff erhielten, geringfügige lokale Nebenwirkungen wie Rötungen, Schwellungen und Schmerzen an der Injektionsstelle erlebten. Aufgrund der niedrigen Raten schwerwiegender Nebenwirkungen in den Gruppen mit Vier- und Neunfach-Impfstoffen und wegen der breiten Definition dieser Ereignisse, die in den Studien verwendet wurden, können wir die Sicherheit der verschiedenen Impfschemata nicht wirklich vergleichen. 
Dr. Jo Morrison, die leitende Redakteurin dieses Reviews und Fachärztin für gynäkologische Onkologie am Musgrove Park Hospital in Somerset, Großbritannien, sagte: "Wir brauchen langfristige Studien auf Bevölkerungsebene, um Daten über die Auswirkungen von Dosierungsintervallen, Zeitplänen und Impfstoffen auf HPV-bedingte Krebsarten erhalten und uns ein vollständigeres Bild von seltenen Schäden zu machen. Mit dem Wissen, dass weniger Impfdosen eine ähnliche Antikörperreaktion erzeugen und dank umfangreicherer Evidenz von Impfstoffstudien mit Jungen, sind die politischen Entscheidungsträger nun besser in der Lage lokale Impfprogramme zu gestalten. Es wäre interessant zu sehen, wie unterschiedliche Zeitpläne und Impfstoffe die Impfabdeckung der Bevölkerung beeinflussen, aber dieser Review und die darin enthaltenen Studien waren nicht darauf ausgerichtet, diese Frage zu beantworten."

Hinweis: Es handelt sich hier NICHT um ein Update des umstrittenen Reviews aus dem Jahr 2018, in dem es um das grundlegende Nutzen-/Risikoprofil der HPV-Impfung ging. Vielmehr ist die aktuelle Arbeit ein davon unabhängiger Review, der 2016 von der WHO bei Cochrane in Auftrag gegeben wurde und primär offene Fragen zum Vergleich verschiedener Impfstoffe und Impfzeitpläne klären sollte.

Originalpublikation: Bergman H, Buckley BS, Villanueva G, Petkovic J, Garritty C, Lutje V, Riveros-Balta AX, Low N, Henschke N. Comparison of different human papillomavirus (HPV) vaccine types and dose schedules for prevention of HPV-related disease in females and males.

Quelle: Cochrane Deutschland Stiftung