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Allgemein Medizin

Nikotin-Formel
Nikotin-Formel

Nikotinpflaster gegen Late-Life-Depression?

Transdermales Nikotin könnte eine wirksame Augmentation zu einer Therapie mit konventionellen Antidepressiva bei Nichtrauchern mit einer Depression im höheren Lebensalter (late-life-Depression, LLD) sein.

Eine LLD ist im Vergleich zu jüngeren Patienten mit einer schlechteren Response auf eine Pharmakotherapie mit den etablierten Antidepressiva assoziiert. Studien mit nicht rauchenden depressiven Patienten ≥ 60 Jahre weisen darauf hin, dass transdermal verabreichtes Nikotin nicht nur die affektive Schwingungsfähigkeit verbessert, sondern auch kognitive Domänen wie die Aufmerksamkeit.1,2

An der vorliegenden zwölfwöchigen Pilotstudie nahmen 15 Patienten mit einer Major Depression teil (zehn Frauen, Durchschnittsalter 64,9 Jahre, MADRS im Schnitt 27,7) teil. Sechs Patienten erhielten ein Nikotinpflaster als Monotherapie und neun als Augmentation. Die Dosis sollte von intial 3,5 mg (Woche 1) über 7 mg (Wochen 2 und 3), 14 mg (Wochen 4–6) bis auf 21 mg (ab Woche 7) gesteigert werden. Nur acht Patienten erreichten die Maximaldosis von 21 mg. Die mittlere Dosis betrug 15,4 mg.3

Gedächtnisfunktion verbessert

Nach zwölf Wochen erreichten in der Gesamtgruppe 86,7% eine Response und 53,3% eine Remission. Der Rückgang der Schwere der Depressivität auf der MADRS-Skala war unabhängig von der Nikotindosis, ob das Pflaster als Monotherapie oder als Augmentation gegeben wurde oder von früherem Nikotinkonsum. Die Patienten waren weniger apathisch odergrüblerisch  veranlagt.

In einer neuropsychologischen Testbatterie schnitten die Patienten hinsichtlich ihrer subjektiven kognitiven Leistungsfähigkeit, gemessen mit dem MFQ- Fragebogen (Memory Functioning Questionnaire), signifikant besser ab. Die objektiv gemessene Kognitionsleistung, gemessen mit dem CPT (Conners Continuous Performance Test), besserte sich insgesamt nicht signifikant. Messungen der Veränderungen des Arbeitsgedächtnisses und des episodischen Gedächtnisses ergaben jedoch signifikant bessere Werte.

Die Vitalparameter der Studienteilnehmer waren unverändert, das Körpergewicht und der BMI gingen signifikant  urück. Schwere unerwünschte Ereignisse traten nicht auf. Die häufigsten Nebenwirkungen waren Übelkeit (7/15 Patienten), Schwindel/ Benommenheit und Kopfschmerzen (je- weils 4/15), Anspannung und Angstgefühle, Albträume oder lokale Reaktion an der Klebestelle (jeweils 3/15). Absetzsymptome oder Craving traten nicht auf. Als Fazit sehen die Autoren transdermales Nikotin aufgrund seines zu breiten Rezeptorprofils an nikotinergen, Acetylcholin- sowie, serotonergen, dopaminergen und noradrenergen Rezeptoren eher als Option für eine Augmentation denn als Monotherapie.

Dr. Alexander Kretzschmar

Literatur:

1. MC Clernon FJ et al. Psychopharmacology (Berl). 2006; 189:  125–33;
2. Haro R, Drucker­Colín R. Arch Med Res 2004; 35: 499–506;
3. Gandelman J et al. J Clin Psychiatry 2018; 79: 18m12137