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Allgemein Medizin

© Colourbox/Irina Mos

Allergien – so wappnen Sie Ihre Patienten für den Urlaub

Allergien begleiten die betroffenen Patienten bis in das abgeschiedenste Urlaubsparadies. Daher gilt es, gezielte Vorkehrungen zu treffen. Die wichtigsten Regeln sind im Folgenden aufgeführt und können dabei helfen, dass die Urlaubswochen für den Allergiker tatsächlich auch zu den „schönsten Wochen des Jahres“ werden.

Die richtige Wahl des Reiseziels
Jeder  Patient sollte sein „ideales Reiseland“ individuell  planen, wobei z. B. Pollenallergiker sich an folgenden Zusammenhängen orientieren können:

  • In Nordeuropa blühen Gräser, Bäume und Getreide generell später als in Mitteleuropa.
  • Birkenpollen treten in Skandinavien oft in hohen Konzentrationen auf. In Südwesteuropa, im südlichen Mittelmeerraum und auf den Kanarischen Inseln sind Birkenpollen dagegen kaum nachweisbar.
  • Innerhalb Deutschlands ist eine jahreszeitliche Blühverzögerung von Südwes­ten nach Nordosten zu beobachten.

Bei der Wahl des Reiselandes kann ein internationaler Pollenflugkalender, den die Wetterämter gemeinsam mit der Stiftung Deutscher Polleninformationsdienst erstellen, hilfreich sein. Ein aktueller Pollenflugkalender ist im Internet abrufbar (www.pollenstiftung.de).
Im Hochgebirge kann man ab Anfang Juli oberhalb von 2000 m mit Pollenfreiheit rechnen. Außerdem spielt in dieser Höhe das ganze Jahr über eine Allergie auf Hausstaubmilben praktisch keine Rolle mehr, da die Spinnentiere dort kaum überlebensfähig sind. Ein trockenes und mildes Schonklima, wie es z. B. am Mittelmeer oder an der Nordseeküste zu finden ist, bekommt Asthmatikern besonders gut. Island kann als Reiseziel besonders empfohlen werden, da es dort kaum Bäume bzw. Baumpollen gibt, die Gräserblüte nur kurz ist und die Luftverschmutzung gering.

Die Urlaubs-Anreise
In Polstern von Bahn- und Flugzeugsitzen sammeln sich oft Hausstaubmilben oder Tierhaare. Um eine allergische Reaktion zu vermeiden, kann der Patient evtl. prophylaktisch die antiallergischen Bedarfsmedikamente einnehmen.
Stress gilt als Auslöser oder Verstärker  allergischer Beschwerden – hastiges Rennen zur Gangway oder zum Anschlusszug kann bei einem Asthmatiker bereits einen Anfall auslösen. Deshalb sollte für die Fahrt genügend Zeit eingeplant werden und das entsprechende Medikament immer zur Hand sein. Während einer Autofahrt zu Pollenflugzeiten sind Fenster und Türen möglichst geschlossen zu halten, empfehlenswert ist der Einbau von Pollenfiltern in die interne Luftzufuhr.

Passt das Hotel?
Einige Hotels im In- und Ausland bieten Spezialzimmer für Allergiker an. Eine Lis­te kann beim Deutschen Allergie- und Asthmabund e.V. (Adresse s.u.) angefordert werden.
Entsprechende Zimmer sollten mit Parkettböden oder leicht zu reinigenden Teppichen ausgestattet sein. Günstig sind möglichst glatte Wände ohne Struktur­tapete, leichte Vorhänge, keine schweren Übergardinen, möglichst keine staubsammelnden offenen Regale. Für Hausstaubmilben- und Schimmelpilz-Allergiker ist es besonders wichtig, dass das Zimmer und die Nasszellen gut belüftbar sind. Manche Patienten mit bekannter Pferdehaarsensibilisierung sind trotz Pferdekarenz im Urlaub nicht beschwerdefrei, weil sie – ohne es zu wissen – auf einer Rosshaarmatratze schlafen.
Auch ist in Erfahrung zu bringen, ob Nichtraucherzimmer gemietet werden können und ob im Hotel Haustiere zulässig sind. Darüber hinaus ist eine Klimaanlage mit Pollenfiltern wünschenswert, der Filter sollte dann jedoch regelmäßig gereinigt werden.
Relevant für Patienten mit Nahrungsmittelallergien ist die Frage, ob das Hotel auch entsprechend zubereitete Speisen anbietet.

Allgemeine Verhaltens-Tipps am Urlaubsort
Schwankungen der Pollenbelastung
In der jeweiligen Urlaubsregion können durchaus tageszeitliche Belastungsspitzen der Pollenexposition vorkommen! Der optimale Zeitpunkt zum Lüften der Zimmer ist von 0 bis 4 Uhr morgens. Nach einem langen Urlaubstag im Freien sollte am Abend kurz geduscht werden (inkl. Haarewaschen) sowie die Kleidung möglichst vor dem Schlafzimmer abgelegt werden, um eine Übertragung der Pollen in das Zimmer zu vermeiden. Fenster und Türen sind zur Zeit des größten Pollenflugs geschlossen zu halten. Pollenfilter in Klimaanlagen können bei ausreichender Kapazität der Anlage sehr wirkungsvoll sein. Wichtig ist die regelmäßige Wartung, da sich sonst die Filter zusetzen oder bei Defekten sogar vermehrt Aeroallergene in die Raumluft geblasen werden.

Bienen- und Wespengift
Bienen- bzw. Wespenstiche können bei manchen Patienten eine lebensgefährliche Schockreaktion auslösen. Die Wahrscheinlichkeit eines Stiches lässt sich durch einige Vorsichtsmaßnahmen minimieren. So sind Insekten für olfaktorische Verlockungen empfänglich und „fliegen“ auf bestimmte Parfums, Deodoranzien, Rasierwässer etc. Natürlich sollte der Patient sich auch von Abfallbehältern fernhalten und nicht nach den Tieren schlagen.
Insektenabweisende Sprays oder Deodoranzien (kommerziell erhältlich) können eine gewisse Schutzwirkung entfalten. Das Barfußgehen auf Wiese oder Rasen sollte vermieden werden, Flaschen/Gläser/Getränkedosen sollte man im Freien abdecken. Mithilfe von Insektengittern vor Türen/Fenstern lässt sich das Eindringen der Insekten ins Haus verhindern. Unter Moskitonetzen zu schlafen, kann für besonders gefährdete Personen sinnvoll sein.
Trotz all dieser Vorsichtsmaßnahmen wird sich ein Bienen- oder Wespenstich nie mit 100%iger Sicherheit vermeiden lassen.  Umso wichtiger ist es, dass
der Bienen-/Wespengift-Allergiker immer sein Notfall-Besteck (orales Antihistaminukum, orales Glukokortikoid, betasympathomimetisches inhalatives Spray und Adrenalin-Injektor) zur Hand hat und es im Fall der Fälle auch richtig einzunehmen weiß.

Nahrungsmittel-Unverträglichkeit
Der Patient mit einer Nahrunsmittel-Allergie kennt häufig die ursächlichen Nahrungsmittel ganz genau und weiß diese im Alltag zu meiden. Natürlich sollte er im Urlaub erst recht keine „Experimente“ machen! Oft aber ist auf fremdländischen Speisekarten nicht auf Anhieb zu erkennen, ob in einer Mahlzeit beispielsweise Milch, Eier oder Meeresfrüchte vorkommen. Bei – zumeist nicht deklarierten –Zutaten und Gewürzen wird vielfach mit potenten Allergenen gearbeitet, die in Deutschland nicht üblich sind.
Ein „Notfall-Set“ sollte daher immer zur Hand sein. Auch wenn sich erst Stunden nach einer Mahlzeit Beschwerden wie Blähungen, Bauchschmerzen, Durchfall, Erbrechen und Verstopfung, verbunden mit Atembeschwerden, Hautausschlägen, Nesselfieber oder Schwellungen der Augenlider und der Lippen einstellen, kann eine allergische Reaktion ursächlich sein – die Patienten sollten darauf hingewiesen werden.

Hausstaubmilben
Die gründliche Reinigung der Wohnung und der betreffenden Textilien ist grundsätzlich  auch im Urlaub empfehlenswert. Mechanische Reinigungsverfahren (Staub saugen, Wischen, Ausklopfen, Kehren) bewirken eine Allergenreduktion durch Entfernung von Kotbestandteilen und toten Milbenkörpern.
Den Patienten ist außerdem dringend zu empfehlen, auch im Hotelbett Matratze, Decke und Kissen vollständig mit Milben- und allergendichten Bezügen zu umschließen (sog. „Encasing“). Im Bereich des „Ökosystems Bett“ ist dies der wirksamste Mechanismus zur Reduktion der Milbenallergenexposition. Darüber hinaus lässt sich durch regelmäßige Lüftung und eine möglichst geringe Raumtemperatur die Milbenpopulation deutlich reduzieren.n

Prof. Dr. med. Ludger Klimek
Zentrum für Rhinologie und Allergologie
Wiesbaden