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Medizin

Pflegende Angehörige können sich online zum Thema Demenz beraten lassen.
© Colourbox / Phovoir

Demenz: Onlineberatung für pflegende Angehörige

Rund 70 Prozent der Pflegebedürftigen werden zuhause versorgt. Für die Angehörigen ist die Betreuung oft eine große Belastung. Doch viele haben neben Pflegetätigkeit, Familie und Beruf keine Zeit, Beratungsstellen aufzusuchen oder möchten lieber anonym bleiben. Hier setzt die Onlineberatungsplattform für pflegende Angehörige von Demenzkranken des Instituts für E-Beratung an. Mit dem Beratungsforum stellt die TH Nürnberg ein niedrigschwelliges, jederzeit per Mausklick von zuhause erreichbares Entlastungsangebot zur Verfügung.

Demenz hat viele Gesichter. Hinter der Volkskrankheit stehen unterschiedlichste Schicksale und persönliche Leidenswege von Patientinnen, Patienten und Angehörigen. An der TH Nürnberg bietet das Institut für E-Beratung seit Juni 2017 eine Onlineberatungsplattform für pflegende Angehörige von Demenzkranken an. Das Besondere: Das Portal verbindet ehrenamtliche Hilfe und professionelle Beratung und ist damit bayernweit einzigartig. Gefördert wird das Forschungsprojekt für drei Jahre vom Freistaat Bayern mit 250.000 Euro.
Prof. Dr. Richard Reindl, Sprecher der Akademischen Leitung des Instituts für E-Beratung: “Pflegende Angehörige zu unterstützen ist wichtig, weil sie momentan die größte Gruppe der Pflegekräfte ausmachen. Rund 70 Prozent der Pflegebedürftigen werden zuhause versorgt, davon mehr als zwei Drittel ausschließlich durch Angehörige.“

Helfen, bevor es zur Überlastung kommt

Das Ziel des Onlineportals ist es, Menschen anzusprechen, die kein persönliches Beratungsgespräch wahrnehmen können, weil es mit ihrer Pflegetätigkeit zeitlich nicht vereinbar ist oder weil sie anonym bleiben wollen. Darüber hinaus leistet das Institut für E-Beratung mit dem Onlineberatungsportal Präventionsarbeit: Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter versuchen den Angehörigen Hilfsangebote und Anlaufstellen aufzuzeigen, bevor für sie eine Situation der Überlastung entsteht.

Sigrid Zauter, Geschäftsführerin des Instituts für E-Beratung: „Unser Anliegen ist es, das Thema Demenz an die jüngere Generation heranzutragen. Wir leben in einer alternden Gesellschaft und die Zahl der Pflegebedürftigen wird steigen. Waren es in 2013 noch 2,48 Millionen, rechnet das Bundesministerium für Gesundheit für 2030 mit 3,31 Millionen Pflegebedürftigen.“
Die Beratung in der Onlineplattform übernehmen acht geschulte Ehrenamtliche sowie professionelle Expertinnen und Experten der Pflege- und Demenzberatung. Innerhalb von 24 Stunden erhalten die Ratsuchenden eine individuelle Antwort von den ehrenamtlichen Mitarbeitenden. Die Angehörigen stellen Fragen zur Erkennung und den ersten Anzeichen von Demenz, der Organisation einer neu entstehenden Pflegesituation, zum Umgang mit dem Krankheitsbild, aber auch zu tabuisierten Themen wie Hilflosigkeit, Gewalt und sozialer Ausgrenzung.

Unterstützt und begleitet wird das Forschungsprojekt vom Pflegestützpunkt Nürnberg und Fachstellen für Pflegende Angehörige in Nürnberg, Wunsiedel/Selb und Hof. Das Onlineberatungsportal gewährleistet Datensicherheit für eine vertrauliche, anonyme Beratung.

Quelle: Technische Hochschule Nürnberg