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Oliver Neumann
Oliver Neumann, Initiator des Projektes Businessdoc (www.businessdoc.online) und selbstständiger Wirtschaftsberater der A.S.I. Wirtschaftsberatung, Essen
© Susanne Beimann; Colourbox

Serie "Praxismanagement": Herausforderung Telemedizin

Telemedizin war vor der Corona-Pandemie in Deutschland fast nicht präsent. Durch das Virus hat sich die Situation verändert: Die deutsche Gesundheitslandschaft ist im Jahr 2020 mit der ambulanten Digitalisierung einen Schritt weitergekommen – wir könnten es auch „coronale Digitalisierung“ nennen. Wie lassen sich Arzt und Patient virtuell zusammenführen?

Die Zahl der telemedizinischen Anwendungen im Bereich der Video-sprechstunden bei den Ärzten, Psycho-therapeuten und Krankenhäusern hat rasant zugenommen. Doch die Schwachstellen der Telemedizin (Akzeptanz, Nutzer- und Patientenfreundlichkeit, Vergütung, Mitarbeitereinbindung) sind durch das Virus nicht weggefallen. Die Anzahl der Anbieter steigt weiter, aber wer schafft den Durchbruch?

Die Herausforderung in der Zukunft wird sein, den Arzt, die Mitarbeiter, und die Patienten vom System und von der Notwendigkeit des Einsatzes der Telemedizin zu überzeugen. Nur wenn erreicht wird, dass eine sinnvolle Überleitung zum dritten Gesundheitsmarkt in Richtung Patientenorientierung stattfindet, kann der Patient sicher sein, dass die Videosprechstunden nicht nur ein vorüber-gehendes Therapie-element, sondern ein dauerhafter Teil seiner Versorgung und in der Gesundheitsdienstleistung werden kann. Der dritte Gesundheitsmarkt – in dem Patient und Arzt als Gleichgesinnte für die Gesunderhaltung stehen und Gesundheitsdaten in einer Art Share Economy teilen – wird das Anspruchsverhalten der Beteiligten verändern.

Dabei denken wir an eine sektorenübergreifende Versorgung. Die Sektorengrenzen verlieren an Bedeutung und der Patient wird als Kunde in den Mittelpunkt gestellt. Wie sollen in Zukunft das Thema Telemedizin eingesetzt und die digitale Gesundheitsanwendungen verbessert werden? Eine Möglichkeit sich dem zu stellen, bietet eine neue Gesundheitsplattform namens CyberDoc, die ich Ihnen im Folgenden gern beispielhaft vorstellen möchte.

Patientenorientierung im Fokus

CyberDoc soll als ganzheitliche Gesundheitsplattform fungieren und die genannten Gruppen zusammenbringen. Das Thema Telemedizin, Videosprechstunde, Videoschulungen, Telekonsile, interdisziplinärer Austausch, eRezept, Anam-nese-App, Prävention und Rehakurse sollen den Patienten und den Mediziner zusammenführen. Die Ausrichtung geht ganz klar in Richtung der Patientenorientierung.

Bereits vorhandene Portale sind heute noch sehr technisch und zum Teil statisch.  Bei Video-sprechstunden sitzen Ärzte in Sprechzimmern, ohne auf eine vertrauensvolle Atmosphäre zu achten. Sie sitzen in Sozialräumen der Mitarbeiter vor Umkleideschränken mit Aufbewahrungskartons für Drucker und Hilfsmittelware.

Atmosphäre schafft Vertrauen

Da sich die Mediziner an die neue Situation der virtuellen Praxis gewöhnen müssen, ist der professionelle Umgang damit auch nicht selbstverständlich. So ist beispielsweise die Einrichtung eines speziellen Videoraums bis jetzt nicht vorgesehen. Dennoch wissen alle, das Atmosphäre Vertrauen schafft. Vertrauen entsteht, wenn der Behandler mit dem Patienten in einer bekannten Atmos-phäre und in einem richtigen Umfeld kommunizieren kann. Das gilt übrigens umso mehr in der Psychotherapie.
Diese Atmosphäre kann zum Beispiel mit CyberDoc durch einen individualisierten, virtuellen Hintergrund innerhalb des Anwenderprogramms, oder durch eine personalisierte Hintergrundszenerie mittels Hardwarekid geschaffen werden (Raumkonzept).
Der Arzt vermittelt dem Patienten nicht nur seine medizinische Expertise, sondern bietet auch ein Behandlungserlebnis auf Augenhöhe mit hoher Wertschätzung. Das schafft Vertrauen, Sicherheit und Akzeptanz für das digitale Tool  der Videosprechstunde.

Wohin geht die Reise?

Die Betreiber wollen zukünftig ein Portal für den Eintritt in die virtuelle Arztpraxis, mit individualisierten Landingpages für unterschiedliche Fachbereiche bieten. Da wird die virtuelle Kinderarztpraxis zu einer Spielwiese für die kleinen Patienten und zu einer familiengerechten Infotainmentstation für die Eltern.

Die Plattform startet zunächst mit dem Thema zertifizierte Videosprechstunde für gesetzliche und private Versicherte, für IGeL und Selbstzahlerleistungen. Der nächste Schritt wird die Anbindung einer Anamnese-App mit Nahtstelle an die elektronische Patientenakte sein. Die logische Fortsetzung kommt in Form des elektronischen Rezeptes mit Verlinkung zur Apotheke der Wahl. In Zukunft soll es nicht nur Einzelanbindungen geben, sondern es sollen mehr Mediziner miteinander vernetzt werden. Krankenhäuser sollen den interdisziplinären Austausch der Fachabteilungen einfach durchführen können, Laboruntersuchungen und ein virtuelles Wartezimmer sollen angeschlossen werden und Abläufe der ambulanten und stationären Versorgung sollen aufeinander abgestimmt werden können. Die Folge daraus wäre langfristig eine Vereinfachung von Diagnosen, Medikationen und damit eine umfassende und sichere Patientenversorgung. Der Ansatz von CyberDoc wird auf dem gegenseitigen Vertrauen von Patienten und Ärzten beruhen. Der dritte Gesundheitsmarkt wird deshalb so interessant, weil der Patient seine Daten abgesichert zur Verfügung stellt und dafür seine Dienstleistungen besser und individualisiert abrufen kann.

Wer steckt dahinter?

Die Macher und Gründer von CyberDoc haben seit 15 Jahren Erfahrung im Bereich und im Aufbau von virtuellen Gesundheitskursen. Dahinter steht die Firma Cyberconcept aus Münster, die Marktführer in Europa für den Bereich von virtuellen Gesundheits- und Fitnesskursen ist. Mit speziellen Schulungsmaßnahmen und Tutorials wollen die Gründer den Medizinern die Telemedizin nahebringen. Kooperationen mit großen Krankenhäusern, Fachverbänden und Universitäten sind geplant.
Ab August 2020 wird www.cyberdoc.de am Markt der Telemedizin erscheinen. Weitere Informationen dazu gibt es auch auf der Website www.cyberconcept.de


Zum Autor:

Oliver Neumann ist seit über 16 Jahren in der unternehmerischen Beratung von Ärzten tätig. Das Projekt Businessdoc macht den Arzt zum Unternehmer. Seine Mission ist eine gesicherte Patientenversorgung – gerade in unterversorgten Gebieten. Im Businessdoc-Podcast interviewt er unterschiedliche Gäste aus dem Gesundheitsmarkt, um Ärzten Lust auf die eigene Praxis zu machen. Infos unter www.businessdoc.online