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PD Dr. med. Dominik Pförringer
PD Dr. med. Dominik Pförringer
© Hubert Burda Media/Daniel Grund

Digitalisierung in der Medizin: „Die Medizin wird wieder medizinischer“

Welche Möglichkeiten eröffnet die Digitalisierung - im Gesundheitswesen? Mit welchen Innovationen können wir in naher Zukunft rechnen? Und inwieweit profitiert der Arzt davon? PD. Dr. Dominik Pförringer im Interview.

Herr Dr. Pförringer, mit welchen Entwicklungen im Bereich Digitalisierung dürfen wir konkret rechnen?
Pförringer: Ich sehe drei positive Kernentwicklungen auf uns zukommen:
Erstens: Die Medizin wird zuverlässiger und kompetenter, digitale Möglichkeiten helfen dem Arzt künftig auf deutlich mehr Daten und somit objektivierbare Erfahrungswerte zurückzugreifen, um seine Behandlung optimal an das Krankheitsbild anzupassen. Big Data ist nutzbar als elektronischer Erfahrungsschatz, welcher die Lernkurve der Medizin beschleunigen kann.
Zweitens: Die Medizin wird effizienter. Antiquierte Prozesse, Medienbrüche und analoge Suchverfahren werden optimiert beziehunghsweise teilweise völlig ersetzt.
Drittens: Die Medizin wird wieder medizinischer – ja, Sie haben richtig gelesen. Es lassen sich nicht-medizinische Aufgaben wie beispielsweise Dokumentation und Bürokratie digital adressieren, partiell sogar automatisieren und einfache physische Tätigkeiten an Roboter delegieren. Der Arzt hat somit mehr Zeit für  seine medizinischen Aufgaben.

In welchen konkreten Bereichen wird sich die Digitalisierung besonders rasch umsetzen lassen und bemerkbar machen?
Ich sehe folgende drei Kernentwicklungsfelder:
Robotik – es wird gelingen physische Aufgaben, welche kein medizinisches Know-How erfordern, wie beispielsweise Transporte oder Sortieraufgaben, auf Roboter zu verlagern. Es wundert einen sowieso, wieso noch keine Maschine beispielsweise ein Bett beziehen kann.
Prävention – die beste Medizin ist jene, die eingreift, bevor relevante Erkrankungen auftreten. Technologische Methoden, das heißt unter anderem vernetzte Geräte und die Auswertung vergangener Datensätze werden in Kürze zu neuen Möglichkeiten verhelfen Krankheiten vor ihrer Entstehung zu bekämpfen.
Big Data – Die Analyse großer Datensätze und die daraus unter anderem mittels künstlicher Intelligenz resultierenden Informationsgewinne werden es ermöglichen, die Ursachen, Therapien sowie Behandlungsschritte optimal auf Krankheiten anzupassen. Durch moderne Rechenleistungen wird es möglich sein, Muster und Entwicklungen zu erkennen, welche bis dato unerklärlich scheinen.

Wo sehen Sie Hürden beziehungsweise Hindernisse für die Digitalisierung?
Deutschlands Medizin steckt in der Phase der sogenannten digitalen Infancy. Deutschland versteckt sich oft hinter Ängsten, Bedenken, Regulatorien und Datenschutzthemen. Wir sollten einfach wagen mehr zu wagen. Einige erfolgreiche Spieler im Markt zeigen ja, dass es möglich ist, auch im Gesundheitsmarkt mit innovativen Lösungen Erfolge zu verzeichnen und die Medizin besser, erreichbarer, verfügbarer und sicherer zu machen.

Was ist Ihre Zielvorstellung einer digitalen Medizin?
Omnipräsentes Wissen in einem tastatur- und kabellosen Krankenhaus bei einem sinnvoll an die modernen Anforderungen adaptierten Datenschutz.
In anderen Worten: Ich träume von einer Klinik, in der die Heilberufler mit der Technik berührungslos interagieren, Daten und Informationen teilen und empfangen können.
dp

PD Dr. Dominik Pförringer ist Orthopäde und Unfallchirurg in München am Klinikum rechts der Isar und Co-Vorsitzender der AG Digitalisierung der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie